Maiglöckchen (Convallaria majalis) † †

GernotFlick201605157685-2

Das Maiglöckchen wurde von alters her in der Volksheilkunde als Heilpflanze bei Ohnmacht, Epilepsie, Herzschwäche und Tremor genutzt. Auch als sehr gutes Mittel zur Prävention von Schlaganfällen wurde es genutzt. Besonders intensiv war es in der russischen Volksheilkunde zu finden. Gegen Epilepsie nutzte man dort einen alkoholischen Auszuges aus den Maiglöckchen-Blüten. Man glaubte es sei besonders wirksam, mit so viel Tropfen der Tinktur zu beginnen, wie der zu Behandelnde alt war. Seinen Weg in die Kräuterbücher fand das Maiglöckchen ab dem 15. Jahrhundert. Allerdings nur für etwa 300 Jahre. Als es den ersten Apothekern technisch möglich war die Inhaltsstoffe des Maiglöckchen zu isolieren, wurde immer deutlicher, wie giftig das Maiglöckchen ist. Jene, die das Maiglöckchen lang genutzt hatten wurden verunsichert und es geriet immer mehr in Vergessenheit. Jene, die es hätten nutzen können gaben anderen Herzglykosid-Pflanzen den Vorzug.

Synonyme:
  • Faltrianblume, Maiblume, Maililie, Marienglöckchen, Nieskraut, Springauf, Talblume
  • Convallaria fragrans, C. latifolia, C. mappii, C. scaposa, Polygonatum majale
Englischer Pflanzenname:
  • Lily of the valley
Pflanzenfamilie:
  • Maiglöckchengewächse (Convallariaceae)
Bezeichnung des
Arzneimittels:
  • Convallariae flos (Maiglöckchenblüten)
  • Convallariae herba (Maiglöckchenkraut)
  • Convallariae radix/ rhizoma (Maiglöckchenwurzel)
Anwendung:
  • Altersherz [1]
  • Asthma*
  • Belastungsinsuffiziens, leichte [1]
  • Cor pulmonale, chronisch [1]
  • Epilepsie*
  • Herzrhythmusstörungen*
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck)*
  • Kreislaufschwäche*
  • Wehenschwäche*
Wirkung:
  • Digitalisähnlich, d.h.
    • Positiv inotrop (steigert die Kontraktionskraft des Herzens) [1]
    • Ökonomisierung der Herzarbeit [1]
    • Senkung des erhöhten enddiastolischen Druck der linken Herzkammer [1]
  • Entwässernd (diuretisch) [1]
  • Kaliuretisch (renale Ausscheidung von Kaliumionen) [1]
  • Natriuretisch (renale Ausscheidung von Natriumionen wird erhöht) [1]
  • Senkt pathologisch erhöhten Venendruck [1]
  • Venentonisierend [1]
Inhaltsstoffe:
  • Herzweirksame Glykoside (0,4 - 1 %, Cardenolide, v.a. Convallatoxin, Convallosid, Lokunjosid)
  • Flavonoide (Quercetin- und Isorhamnetinglykoside)
  • Ätherisches Öl (0,058 % mit Farnesol)
Dosierung:
  • 0,6 g eingestellte Maiglöckchenpulver
Gegenanzeigen:
  • Gleichzeitige Therapie mit Digitalglykosiden
  • Kalium – Mangelzustände
  • Schwangerschaft und Stillzeit
Nebenwirkungen:
  • Bei Überdosierung Übelkeit, Erbrechen, Herzrhythmusstörungen

Wechselwirkungen:
  • Möglich bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika, Abführmitteln und anderen Herzmitteln

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Beispiele für Präparate, in denen Maiglöckchen vorkommt:

Phytotherapie:
  • Angioton® H Mischung: Besserung des Befindens bei Herz-Kreislauf-Störungen
  • Homviocorin® spezial: Bei Druck- u. Beklemmungsgefühl in d. Herzgegend (pectanginöse Beschwerden)
  • Convallaria H 40 Tropfen

Maiglöckchen sammeln: 

Sammelorte:Europa
  • Trockene bis leicht feuchte, lichte Laub- und Kiefernwälder
Sammelgut:
  • Kraut
Sammelzeit:
  • Mai

Beispiele für eigene Zubereitungen:

JG Tee zur Herzstärkung und Blutdrucksenkung

Zutaten:Zubereitung:
  1. 2 TL der Mischung mit 250 ml heißem Wasser
    übergießen
  2. 5 Minuten ziehen lassen; abgießen
Einnahme
  • 2 x tgl je morgens und mittags eine  Tasse trinken
Florasole

Bild: © Schlierner – Fotolia.com

Maiglöckchen-Tinktur

Zubereitung:
  1. Frisches Maiglöckchenkraut zerkleinern
  2. In ein verschließbares Gefäß geben und
    im Verhältnis 1:5 mit 60%igem Alkohol
    auffüllen Ansatz 3 Wochen ziehen lassen
    (ab und an schütteln)
  3. Abseihen und die fertige Tinktur in
    dunkle Fläschchen abfüllen

Einnahme:
  • Bei Bedarf 3 x tgl. 8 – 15 Tropfen
Anwendung bei:
  • Altersherz mit Ödemen
  • Aorteninsuffiziens
  • Cor pulmonale
  • Herzinsuffiziens mit Bradykardie
    (Herzschlag unter 60 Schläge pro
    Minute bei Erwachsenen)
  • Mitralstenose
  • Neigung zu Herzinfarkt
  • Rechtsherzinsuffiziens
  • Störung der Erregungsleitung

Da es bei Maiglöckchen auf eine genaue Dosierung
bei der Herstellung ankommt, sollte die Tinktur nur
von geübten Phytotherapeuten angewendet werden.
Wer dennoch nicht auf die Heilwirkung verzichten
möchte, sollte auf Fertigpräparate aus der Apotheke
zurückgreifen (z.Bsp. Convallaria H 40 Tropfen)

Herztropfen bei Kreislaufstörungen, niedrigem Blutdruck und kreislaufbedingtem Schwindel

Zutaten:
** Fertige Tinktur ggf. aus der Apotheke holen
Zubereitung:
  • Zutaten mischen
  • In einer dunklen Flasche
    verschlossen aufbewahren
Einnahme
  • Bei Bedarf: 3 x täglich 10 - 25 Tropfen
    auf einem Stück Zucker, das man im Mund
    zergehen lässt oder auf einem Stückchen
    Brot (Diabetiker), das man langsam zerkaut

Homöopathische Maiglöckchen-Tropfen 

Wer ganz sicher sein möchte, dass er Maiglöckchen nicht zu hoch dosiert, sollte sie homöopathisch anwenden. Dazu geht man wie folgt vor:

  1. Destilliertes Wasser und reinen Alkohol zu gleichen Teilen mischen
  2. Ein kleines Stück der Droge im Mörser zerkleinern (in der klassischen Homöopathie etwa 1 Stunde lang)
  3. Einen Teil der zerstoßenen Droge in ein Fläschchen geben und 10 Teile des Wasser-Alkohol-Gemisch dazugeben (Das Fläschchen darf max zu 2/3 gefüllt sein)
  4. Fläschchen verschließen und 10 starke, nach unten gerichtete Schläge ausführen (Ruckartige Bewegung nach unten) = Potenz D1
  5. Von dem D1-Gemisch 10 Tropfen in eine andere Flasche geben und 100 Tropfen Wasser-Alkohol-Gemisch dazugeben
  6. Fläschchen verschießen und erneut 10 nach unten gerichtete Schläge ausführen = Potenz D2
  7. Von dem D2-Gemisch 10 Tropfen in eine andere Flasche geben und 100 Tropfen Wasser-Alkohol-Gemisch dazugeben
  8. Fläschchen verschießen und erneut 10 nach unten gerichtete Schläge ausführen = Potenz D3
  9. Von dem D3-Gemisch 10 Tropfen in eine andere Flasche geben und 100 Tropfen Wasser-Alkohol-Gemisch dazugeben
  10. Fläschchen verschießen und erneut 10 nach unten gerichtete Schläge ausführen =Potenz D4
  11. Die Schritte können weitergeführt werden bis Potenz D12
  • Bluthochdruck
  • Herzinsuffizienz
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzrasen
  • Morbus Basedow
  • Nervöse Herzbeschwerden
  • Ödeme
  • Schlaflosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Tachykardie
  • Wassereinlagerungen

Einnahme: 3 x täglich 10 Tropfen

Leitsymptome:

  • Herzaussetzer und -rhythmusstörungen
  • Puls, schwacher
  • Schläfrgkeit, am Tag
  • Unruhe, nächtliche

 

[1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 23.4.1987., Heftnummer: 76., ATC-Code: C01AD.
Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/convallariae-herba-maigloeckchenkraut.htm

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erster Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • H.-H. Rhyner, B. Frohn: Heilpflanzen im Ayurveda, AT Verlag, Baden und München 2006
  • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007

Internetseiten:

  • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/convallaria.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Maiglöckchen
  • www.awl.ch/heilpflanzen/convallaria_maialis/maigloeckchen.htm

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

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