Leinkraut (Linaria vulgaris)

GernotFlick201508026367

Bild: © Gernot Flick

Das Leinkraut gehört zu den Heilkräutern, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerieten. Unsere Ahnen nutzen noch als Heilkraut bei diversen Entzündungen, blutenden Myomen und juckende Hämorrhoiden. Daneben wurde es genutzt, um Leinenwäsche mit einem leichten Gelbton einzufärben. Obwohl das Leinkraut noch vor einigen Jahrzehnten als “offizinell” in gut ausgestatteten Apotheken erhältlich war, wird es heute meist nur noch in der Homöopathie genutzt. Doch es sind genau solche vergessenen Kräuter, die für Überraschungen sorgen, wenn man sich nur näher genug mit ihnen beschäftigt. Gerade der Brei aus frischen Leinkraut-Blüten ist eines der besten Mittel, um entzündete und juckende Hämorrhoiden oder Harnverhalten bei vergrößerter Prostata zu kurieren. 

Synonyme:
  • Abnehmkraut, Akkerlein, Dorant, Frauenflachs, Gelbes Löwenmaul, Heidenflachs, Katharinenblume, Katharinenflachs, Marienflachs, Mauerflachs, Uckerleinkraut
  • Antirrhinum linaria
Englischer Pflanzenname:
  • Common toadflax, yellow toadflax, butter-and-eggs
Pflanzenfamilie:
  • Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
  • (früher Braunwurzgewächse – Scrophulariaceae)
Bezeichnung des
Arzneimittels:
  • Herba Linariae / Herba Antirrhini Linaria (Leinkraut)
Anwendung:
  • Binde- und Hornhautentzündung (äußerlich als Salbe)*
  • Diuretikum*
  • Entgiftung*
  • Hämorrhoiden, entzündete & juckende*
  • Ödeme*
  • Myomblutungen*
  • Prostatahypertrophie (mit Harnverhaltung und Blasenhalsreizung)*
  • Venenentzündung*
  • Verstopfung*
  • Wassersucht*
Wirkung:
  • Abführend**
  • Antioxidativ [1]
  • Entwässernd, mild**
  • Entzündungshemmend (antiphlogistisch)**
  • Reinigend (purgierend)**
Inhaltsstoffe:
  • Flavonglykoside, u.a. Linarin, Pectolinarin
  • Alkaloide (Spuren), u.a. Peganin
Dosierung:
  • Keine Dosierung festgelegt
Gegenanzeigen
  • Keine bekannt
Nebenwirkungen
  • Bei Überdosierung können ggf. Darmkrämpfe, Durchfall, Blähungen und Atemnot auftreten.
Wechselwirkungen
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde

Beispiele für Präparate, in denen Leinkraut vorkommt: 

  • Derzeit keine bekannt

Leinkraut sammeln:

Verbreitung/ Sammelorte:Leinkraut kommt in ganz Mittel- und Osteuropa vor.

Sammelorte:
  • Bahndämme
  • Warme Böschungen
  • Lichte Waldränder
  • Schuttplätze mit lockeren, steinigen und sandigen Böden
Sammelgut/ Sammelzeit:Kraut: Juli - September

Interessantes rund um das Leinkraut:

  • An der Unterlippe der Leinkraut-Blüte befinden sich zwei Verdickungen, die den Schlund der Blüte dicht verschließen. Nur Hummeln und kräftige Wildbienen sind in der Lage die Blüte zu öffnen, an den Nektarvorrat des Sporns zu kommen und so die Bestäubung durchzuführen. Man nennt solche Blüten daher “Kraftblüten”. Die “auserwählten” Insekten müssen weniger um die Blüten kämpfen, was sie zu treuen Besuchern der Leinkraut-Blüten macht. Beide Teile profitieren davon: Die Leinkraut-Bestäuber haben das Exklusivrecht am Nektar und der Blütenstaub der Pflanze gelangt schneller und direkter an die richtige Stelle. Einige Insekten, die aus eigener Kraft die nicht in der Lage wären die Leinkrautblüte zu öffnen und an den Nektar zu gelangen, beißen jedoch ein Loch in die Spitze des Blüten-Sporns und bedienen sich am Nektar, ohne der Pflanze einen Gegendienst zu erweisen.
  • Im Volksglauben galt das Leinkraut als Schutz gegen Hexenzauber für kleine Kinder.

Beispiele für eigene Zubereitungen:

Bild: © Kanea - Fotolia.com

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Klassischer Leinkraut-Tee

  • 1 – 2 TL der Droge mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen; abseihen und 1 – 3 Tassen über den den Tag verteilt trinken.

Anwendung bei:

  • Binde- und Hornhautentzündung (äußerlich als Auflage)
  • Ödeme
  • Myomblutungen
  • Prostatahypertrophie (mit Harnverhaltung und Blasenhalsreizung)
  • Venenentzündung (äußerlich als Wickel)
  • Verstopfung
  • Wassersucht
  • Wundwaschung (äußerlich)

Klassischer Leinkraut-Frischbrei bei entzündeten und juckenden Hämorrhoiden

  • Frische Blüten des Leinkraut im Mörser zerkleinern; aus dem so gewonnenen Brei als Auflage für die zu behandelnden Stellen benutzen

Klassischer Leinkraut-Frischsaft

  • Frisches Leinkraut entsaften und den so gewonnenen Saft benutzen für:
    • Auflagen und Wickel bei Entzündungen und Schäden der Haut und bei Hämorrhoiden
    • Fisteln
    • Hautreinigung (z.B. bei Akne)
    • Wundenreinigung & -waschung

Leinkraut in der Küche

Bild: © Johanna Mühlbauer – Fotolia.com

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Die Blüten des Leinkraut schmecken süßlich und können als kleine Bereicherung in Salat gegessen werden.

 

[1] Vrchovská V, Spilková J, Valentão P, Sousa C, Andrade PB, Seabra RM.: Assessing the antioxidative properties and chemical composition of Linaria vulgaris infusion.; Nat Prod Res. 2008 Jun 15;22(9):735-46. doi: 10.1080/14786410601132360. [PubMed]

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erster Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007

Internetseiten:

  • henriettes-herb.com/eclectic/madaus/linaria.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Echtes_Leinkraut
  • https://en.wikipedia.org/wiki/Linaria_vulgaris
  • www.awl.ch/heilpflanzen/linaria_vulgaris/leinkraut.htm

 

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg –
Tel. 040 866488780 

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