Mariendistel (Silybum marianum)

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Bild: © Anja Alijah Flick

Die Mariendistel war schon im Altertum bekannt und gehört auch in der modernen Heilpflanzenkunde zu den am besten wissenschaftlich erforschten Heilpflanzen. Bei ihr handelt es sich um eine ganz besondere Pflanze. Nicht ohne Grund, denn ihr Wirkspektrum ist bis heute nicht durch synthetische Wirkstoffe zu ersetzen. Für Menschen mit einer toxischen Leberbelastung, z.B. durch eine sonst tödliche Vergiftung mit dem grünen Knollenblätterpilz, ist Mariendistel oft letzte Rettung. Der hohe Stellenwert dieser Pflanze kommt auch in der Legende um ihren Namen zum Ausdruck. Es heißt, dass die weißen Flecken auf den Blättern der Pflanze entstanden, als Maria auf der Flucht mit dem Jesuskind war. Dabei soll Maria einige Tropfen Muttermilch verloren haben, welche die grünen Blätter einer Distel benetzten. Aus einer bis dahin gewöhnlichen Distel wurde so die Mariendistel, deren Heilkraft bis heute bei Leber-, Milz und Gallenleiden, Verdauungsbeschwerden, Migräne u.v.m. geschätzt wird…

Synonyme:
  • Frauendistel, Milchdistel, Silberdistel
  • Carduus marianus  Carthamus maculatus, Cirsium maculatum, Mariana mariana, Silybum maculatum
Pflanzenfamilie:
  • Korbblütler (Asteraceae)
Bezeichnung des
Arzneimittels:
Cardui mariae fructus 
(Mariendistel-Früchte)
Cardui mariae herba (Mariendistel-Kraut)
Anwendung:
  • Dyspetische Beschwerden [1]
  • Gallenbeschwerden, funktionelle*
  • Knollenblätterpilz-Vergiftung (Fertigpräparate!) [1]
  • Leberentzündung (Hepatitis) [1]
  • Leberschäden, toxische
    (Fertigpräparate) [1]
  • Leberzirrhose [1]
  • Pfortaderstauung*
  • Gallenkolliken*
  • Gelbsucht*
  • Leber-Gallen-Beschwerden*
  • Migräne*
  • Milzleiden*
  • Reisekrankheit*
  • Seitenstechen*
  • Verdauungsbeschwerden*
Wirkung:
  • Leberschützend gegen Gifte des Grünen Knollenblätterpilzes Phalloidin und a-Amantadin, Lanthanide, Tetrachlorkohlenstoff, Galactosamin,
    Thioacetamid und den Kaltblütervirus FV3 [1]
  • Cholagog (gallentreibend)**
  • Entgiftend**
  • Leberstärkend**
  • Tonisierend**
Inhaltsstoffe:
  • Flavonolignane (1,5 - 3 %), v.a. Silymarin, ein Gemisch aus
    • Silibinin (Silybin A & B)
    • Isosilibinin (Isosilybin A & B)
    • Silychristin
    • Silydianin
  • Flavonoide, u.a. Apigenin, Quercetrin
  • Fettes Öl (20 - 30 %)
  • Triterpene
  • Proteine (25 - 30 %)
  • Schleim
  • Flavonoide, v.a. Apigenin
  • Phytosterole
  • Triterpene
  • Polyine
  • Fumarsäure
Dosierung:
  • Mittlere Tagesdosis: 12 - 15 g
  • Zubereitungen: entsprechend 200 - 400 mg (Silymarin berechnet als Silibinin)
Gegenanzeigen
  • Keine bekannt
  • Keine bekannt
Nebenwirkungen
  • Silymarinhaltige Zubereitungen können ggf. eine leicht laxierende Wirkung haben.
Wechselwirkungen
  • Keine bekannt
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Beispiele für Präparate, in denen Mariendistel vorkommt:

Phytotherapie:
  • Carduus marianus Kapseln v. Weleda Bei Leber-Galle-Leiden: z. B. Cholangio-Hepatitis, chron.-persistierende Hepatitis, toxische Hepatosen, intrahepat. Cholestase, Fettleber, Gallensteinleiden
Sonstige:
  • Protectonic: Ganzheitliches Tonic - inspiriert durch die chinesische Kräuterkunde und Hildegard von Bingen. Stärkend, schützend, erdend

Mariendistel sammeln:

Verbreitung/ Sammelorte:Mariendistel kommt natürlich in Südeuropa, Vorderasien, Nordafrika, Kanaren und Amerika vor. In Deutschland, Österreich, Ungarn und Osteuropa findet man sie als Kultivar.

Sammelorte:
  • Ruderalstandorte
  • Schuttplätze
  • Wegränder
Sammelgut/ Sammelzeit:Früchte: August - September
Kraut: Mai - Juli

Wichtig! Mariendistel steht stellenweise unter Naturschutz! Es ist daher besser auf geprüfte Ware aus dem Handel zurückzugreifen.

Beispiele für eigene Zubereitungen:

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Bild: © Anja Alijah Flick

Klassischer Mariendistel-Tee

  • 1 TL (ca. 3,5 g) pulverisierter Mariendistelfrüchte mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und 10 – 15 Minuten ziehen lassen; abseihen und  3 – 4 x täglich je eine Tasse trinken

Anwendung bei:

  • Leberbeschwerden
  • Leberentgiftung
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Schwermetallentgiftung (als Begleittherapie)

Klassisches Mariendistel-Pulver (nach Rademacher)

Einnahme: 1 TL pulverisierte Mariendistel-Früchte 4 – 5 x täglich

Anwendung bei:

  • Gallensteinkolik
  • Gelbsucht
  • Hepatitis, akute (in Verbindung mit Seitenstechen, Husten, blutigem Auswurf)
  • Leberbeschwerden, chronische
  • Menorhagie, chronische
  • Milzbeschwerden
  • Unterschenkelgeschwüre/ Ulcus cruris (äußerliche Anwendung)

Bild: © Schlierner – Fotolia.com

Klassische Mariendistel-Tinktur (Rademachersche Stechkörnertinktur)

  • 80 g Ganze, unzerquetschte Mariendistel-Früchte
  • 80 ml Destilliertes Wasser
  • 130 ml Alkohol (94,5 %)

Zutaten miteinander vermischen in einem verschlossenen Gefäß 2 Wochen auf der Fensterbank stehen lassen; ab und an schütteln; dann abseihen und die fertige Tinktur in dunklen Fläschchen kühl lagern

Einnahme: 3 x täglich je 20 – 30 Tropfen

Anwendung bei:

  • Dyspepsie
  • Gallenbeschwerden (Cholezystopathie)
  • Leberschäden toxischer Genese
  • Leberschutztherapie
  • Milzbeschwerden

Da die Tinktur alkoholhaltig ist, sollte sie NICHT bei Leberzirrhose eingenommen werden!

Klassischer Mariendistel-Extrakt

Zubereitung:
  1. Mariendistel-Kraut zerkleinern
  2. In ein verschließbares Gefäß geben und
    im Verhältnis 1:1 mit 40%igem Alkohol
    auffüllen Ansatz 2 Wochen ziehen lassen
    (ab und an schütteln)
  3. Abseihen und die fertige Tinktur in
    dunkle Fläschchen abfüllen

Einnahme:
  • Bei Bedarf 3 x 15 – 25 Tropfen am Tag einnehmen
  • Gallenkolliken
  • Gelbsucht
  • Leber-Gallen-Beschwerden
  • Migräne
  • Milzleiden
  • Reisekrankheit
  • Seitenstechen
  • Verdauungsbeschwerden
  • Warzen (auch äußerlich anwenden)

Klassische Quassia-Mariendistel-Tropfen zur Leberstärkung

Zutaten:Zubereitung:
  • Zutaten miteinander vermischen und gut verschlossen in einer dunklen Flasche verwahren.
Einnahme: Vor dem Essen 15 bis 20 Tropfen mit etwas Wasser einnehmen

Anwendung bei:
  • Fieber
  • Hepatitis
  • Leberzirrhose
  • Schwäche
  • Schwermetallentgiftung

 

[1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 13.3.1986., Heftnummer: 50., ATC-Code: A05BA.
Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/cardui-mariae-fructus-mariendistelfruechte.htm

[2] Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): Assessment report on Silybum marianum (L.) Gaertn., fructus.; European Medicines Agency, 2016.

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Zweiter Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • H.-H. Rhyner, B. Frohn: Heilpflanzen im Ayurveda, AT Verlag, Baden und München 2006
  • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007

Internetseiten:

  • henriettes-herb.com/eclectic/madaus/silybum.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Mariendistel
  • www.awl.ch/heilpflanzen/silybum_marianum/mariendistel.htm
  • buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/cardui-mariae-herba-mariendistelkraut.htm

 

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg –
Tel. 040 866488780 

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