Aniskerbel (Myrrhis odorata)

Aniskerbel

Bild: © G. Flick

Aniskerbel, auch Süßdolde genannt, ist eine Pflanze, die bereits seit Jahrhunderten als Würz- und Heilpflanze eingesetzt wurde. Sie weist einen angenehmen Geschmack auf, der an Anis oder Süßholz (Lakritz) erinnert. Warum auch immer, geriet Aniskerbel jedoch immer mehr ins Abseits. Sehr zu unrecht wie ich finde, aber es führte dazu, dass man heute kaum noch ausführliche Informationen zu dieser interessanten Pflanze findet. Zeit den Aniskerbel wieder näher in den Fokus zu rücken…

Synonyme:
  • Anisdolde, Myrrhenkerbel, Spanischer Kerbel, Süßdolde, Welscher Kerbel, Wilder Anis, Wohlriechende Süßdolde
  • Chaerophyllum cicutaria, C. odoratum, Lindera odorata, Scandix odorata, Selinum myrrhis
Pflanzenfamilie:
  • Doldenblütler (Apiaceae)
Bezeichnung des Arzneimittels:
  • Herba Cerefolii hispanica (Aniskerbel-Kraut)
Anwendung:
  • Appetitlosigkeit*
  • Blutreinigung*
  • Husten*
  • Magenschwäche*
  • Rekonvaleszenz*
Wirkung:
  • Antimykotisch, mild [1]
  • Antioxidativ [2]
  • Appetitanregend (stomachisch)**
  • Beruhigend, mild (sedativ)**
  • Entzündungshemmend, mild (antiphlogistisch)**
  • Tonisierend, mild**
  • Verdauungsfördernd
Inhaltsstoffe:
  • Ätherisches Öl, v.a. trans-Anethol, Germacren, β-Caryophyllen, Limonen, Mycren, Estragol
  • Flavoinoide
  • Mannit
  • Fumarsäure
Dosierung:
  • Keine standardisierte Angabe
Gegenanzeigen
  • Allergie gegen Doldenblütler und Anethol (Anethol kann unter Lichteinfluss zum östrogenartigen Photoanethol oxidieren)
Nebenwirkungen
  • Selten allergische Reaktionen der Haut, der Atemwege und des Gastrointestinaltraktes
Wechselwirkungen
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Es liegen Studien und Erfolge beim beschriebenen Einsatz der Pflanze vor, aber sie hat noch keine Positiv-Monographie der Kommission E erhalten. Die Aussagen zur Wirksamkeit liegen somit noch im Bereich der Erfahrungsheilkunde und gelten bis dahin als nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.

Beispiele für Präparate, in denen Aniskerbel vorkommen:

  • Derzeit keine bekannt

Aniskerbel sammeln: 

Sammelorte:Europa, besonders im Gebirge und dem Mittelmeerraum
  • Fettwiesen und Weiden
  • Grasgärten
  • Hochstaudenfluren
  • Waldränder
Sammelgut/ Sammelzeit:
  • Kraut: Mai bis August
  • Samen: Juli - August

Interessantes über Aniskerbel:

  • Im skandinavischen Raum verwendet man Aniskerbel gerne zum Würzen von Kompotten, wobei die Samen und Stengel wegen ihrer natürlichen Süsse auch den Zuckerverbrauch minimieren.

Beispiele für eigene Zubereitungen:

Tee oder Kaffee

Bild: © Kanea – Fotolia.com

Klassischer Aniskerbel-Tee 

  • 1 -2 TL der Droge (Blätter und/ oder Früchte) mit 250 ml heißem Wasser übergießen und zugedeckt 5 Minuten ziehen lassen; abseihen und 1 – 3 x tgl. je eine Tasse trinken

Einsatzgebiete:

  • Appetitlosigkeit
  • Blutreinigung
  • Husten
  • Magenschwäche
  • Rekonvaleszenz

Aniskerbel-Frischsaft 

  • Aniskerbel eignet sich sehr gut, um daraus einen Frischsaft herzustellen. Dazu frische Blätter oder noch grüne Samenstände mit einer Handsaftpresse entsaften und den so gewonnenen Saft direkt einnehmen (Ein geeignetes Gerät ist z.B. die Z-Star Hand-Saftpresse)

Einnahme: Ca. 20 – 40 ml Frischsaft

Anwendung: (Volks- und Erfahrungsheilkunde)

  • Appetitlosigkeit
  • Blutreinigung
  • Husten
  • Magenschwäche

Aniskerbel in der Küche

Aniskerbel war wegen ihres Geschmacks, der an Anis oder Lakritze erinnert, schon immer ein beliebtes Kraut in der Küche. Besonders die Rohkost-Szene hat diese Pflanze für sich wiederentdeckt. Hier ein paar Anregungen…

Beeren

Bild: © ExQuisine – Fotolia.com

Obstsalat mit Süssdolde

  • Ca. 800 g kleingeschnittenes Obst, wie z.B. Blaubeere, Erdbeere, Honigmelone, Aprikose, Banane, Nektarine, Apfel, Birne…
  • Saft einer halben Zitrone
  • ½- 1 EL SteviaBase oder 3 EL Zucker
  • 10 kleine Aniskerbelblätter oder junge, grüne Aniskerbel-Früchte (fein geschnitten)

Zubereitung: Die zerkleinerten Obststücke in einer Schale geben und mit Zitronensaft, SteviaBase (oder Zucker) und fein geschnittenen Aniskerbelblättern zu einem sommerlichen Obstsalat anrichten

 

[1] Ana Rančić et al: Chemical Composition and Antimicrobial Activities of Essential Oils of Myrrhis odorata (L.) Scop, Hypericum perforatum L and Helichrysum arenarium (L.) Moench,; Journal of Essential Oil Research 17(3):341-345 · May 2005

[2] D. Barragan Ferrer, Petras Rimantas Venskutonis, Thierry Talou, Bachar Zebibe, Jesus Manuel Barragan Ferrer, Othmane Merah: Bioactive Compounds and Antioxidant Properties of Myrrhis odorata Deodorized Residue Leaves Extracts from Lithuania and France Origins; The Pharmaceutical and Chemical Journal, 2016, 3(3):43-48
tpcj.org/download/vol-3-iss-3-2016/TPCJ2016-03-03-43-48.pdf

 

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Zweiter Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003

Internetseiten:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Süßdolde

 

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

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