Engelwurz (Angelica archangelica)

Engelwurz, Angelica Archangelica,

Bild: © hjschneider / Fotolia

Der Engelwurz stammt ursprünglich aus den nördlichen Gebieten Europas und Asiens. Bei den Nordmännern in Skandinavien, Island und den Färöer-Inseln war der Engelwurz eine der wichtigsten Heilpflanzen. Über Handelswege verbreitete sich der Engelwurz weiter nach Süden und war ab dem 14. Jahrhundert fester Bestandteil der mitteleuropäischen Heilkunde. Den Namen Engelwurz erhielt die Pflanze der Sage nach, weil ein Mönch im Traum durch einen Erzengel erzählt bekam, welches Kraut zu verwenden sei, um Opfern der Beulenpest zu helfen, welche damals in Europa wütete. Alte Chroniken berichten, dass jeder, der den ganzen Tag ein Stück Engelwurzel in ihrem Mund hatte, von der Pest bewahrt werden sollte. Die Ehrfurcht vor der Heilkraft des Engelwurz hält bis heute an. So gilt der 8. Mai (alter Kalender) in vielen Gegenden als St. Michaels Festtag, und ist so zu seiner Ehre benannt, weil der Engelwurz meist um diesen Tag herum zu blühen beginnt.

Synonyme:
  • Angelik, Engelbrustwurz, Erzengelwurz, Gartenangelik, Giftwürze, Heiligenbitter, Heiligengeistwurz, Theriakwurzel, Waldbrustwurz, Zahnwurzel
  • Angelica major, A. officinalis, A. sative, Selinum archangelica
Pflanzenfamilie:
  • Doldenblütler (Apiaceae)
Anwendung:Wirkung
Angelicae radix (Engelwurz-Wurzel)
  • Appetitlosigkeit [1]
  • Blähungen [1]
  • Bronchitis*
  • Dyspeptische Beschwerden, wie leichte
    Magen-Darm-Krämpfe [1]
  • Erschöpfung [9]
  • Husten [8]
  • Leber- und Gallenwegserkrankungen [4]
  • Menstruationsbeschwerden*
  • Rheuma (Badezusatz)*
  • Schlafstörungen, nervöse*
  • Verdauungsstörungen*
  • Völlegefühl [1]
  • Antibakteriell**
  • Appetitanregend (stomachisch)**
  • Blähungstreibend (karminativ)**
  • Blutbildend [9]
  • Entkrampfend (spasmolytisch) [1]
  • Gallenflossfördernd (choleretisch) [1]
  • Menstruationsfördernd (emmenagog)**
  • Pankraesanregend
Angelicae fructus (Angelikafrüchte)
  • Krebs, als Begleittherapie u.a. von
    Bauchspeicheldrüsen-Krebs (Pankreas-Krebs) [5]
  • Nierenbeschwerden*
  • Rheumatische Beschwerden*
  • Verdauungsstörungen*
  • Krebszellhemmend (antiproliferativ) [5]
Angelicae folium (Angelikablätter)
  • Brustfellentzündung*
  • Verdauungsschwäche*
  • Krebszellhemmend [6]
Oleum Angelicae (Angelika-Öl)
  • Angst [3]
  • Appetitlosigkeit*
  • Blähungen (Meteorismus)*
  • Blutreinigung*
  • Disstress*
  • Dyspepsie*
  • Hautreizungen*
  • Menstruationsbeschwerden (Amenorrhö)*
  • Nervosität*
  • Schlafstörungen*
  • Schuppenflechte (Psoriasis)*
  • Angstlösend (anxiolytisch) [3]
  • Antibakteriell [2]
  • Beruhigend (sedativ)**
  • Blutverdünnend (antikoagulierend)**
  • Entkrampfend (spasmolytisch)**
  • Entschlackend**
  • Menstruationsfördernd (emmenagog)
  • Verdauungsfördernd (karminativ)**
Inhaltsstoffe:Dosierung:
Engelwurz-Wurzel
  • Ätherische Öle
  • Bitterstoffe
  • Gerbstoffe
  • Pflanzensäuren
  • Cumarine
  • Furanocumarine
  • 4,5 g Droge
  • 1,5 - 3 g Fluidextrakt (1:1)
  • 1,5 g Tinktur (1:5)
  • Zubereitungen entsprechend
Engelwurz-Blätter
  • Ätherisches Öl (ca. 0,1%), mit β-Phellandren, α-Pinen, β-Pinen
  • Furanocumarine, u.a. Angelicin, Bergapten, Imperatorin, Oxypseudanin
Engelwurz-Früchte
  • Ätherisches Öl
  • Cumarine
  • Furanocumarine, u.a. Angelicin, Apterin, Bergapten, Xanthotoxin
Engelwurz-Öl
  • Monoterpene (bis zu 73%), u.a. α-Pinen, β-Pinen, Limonen
  • Monoterpenole, u.a. Linalool, Borneol
  • Ester, u.a. Bornylacetat
  • 10 - 20 Tropfen ätherisches Öl
Gegenanzeigen
  • Keine bekannt
NebenwirkungenFür alle Teile von Engelwurz, ausgenommen das ätherische Öl, gilt:

  • Die in Engelwurz enthaltenen Furanocumarine können die Haut lichtempfindlicher (Photosensibilisierung) machen. Daher kann es bei gleichzeitiger intensiver Einwirkung von UV-Licht (Sonnenstudio bzw. intensives Sonnenlicht) zu Hautentzündungen kommen. Es empfiehlt sich während der Anwendung von Angelikawurzel oder deren Zubereitungen auf längere Sonnenbäder und intensive UV-Bestrahlung zu verzichten.
Wechselwirkungen
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Für Engelwurz-Öl wurde eine Wirkung wissenschaftlich bisher erwiesen gegen:
  • Candida albicans [2]
  • Clostridium difficile [2]
  • Clostridium perfringens [2]
  • Enterococcus faecalis [2]
  • Eubacterium limosum [2]
  • Peptostreptococcus anaerobius

Ayurvedische Eigenschaften

Grundeigenschaften:Leicht und scharf
Geschmack:Bitter, scharf und süß
Energetische Wirkung:Erhitzend
Wirkung auf die Doshas:V- P+ K- Die Verdauungswirkung ist scharf.

Beispiele für Präparate, in denen Engelwurz vorkommt:

Phytotherapie:
  • Iberogast: Bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen, wie Reizmagen, Reizdarm, Magen- u. Darmspasmen, Gastritis
  • Gastritol: Bei leichten Verdauungsbeschwerden, wie Völlegefühl, Blähungen, sowie leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt
  • Abdomilon: Traditionell angewendet zur Unterstützung der Verdauungsfunktion

Engelwurz selber sammeln:

Engelwurz kann mit dem giftigen Wasserschierling verwechselt werden. Daher sollte man sich sehr gut informieren, ob es sich beim Sammelgut wirklich um Engelwurz handelt. Wer jedoch einmal den typischen Geruch von Engelwurz wahrgenommen hat, der erkennt ihn eigentlich immer wieder. 

Sammelorte:
  • Feuchten Wiesen
  • Flachmoore
  • Flussufer
  • Gräben
Sammelzeit:
  • März und Oktober - Anfang Dezember
Sammelgut:
  • Wurzelstock

Interessantes rund um den Engelwurz:

  • Auf den Färöer-Inseln nennt man den Engelwurz „hvonn“ [kvɔnː]. Es leitet sich ursprünglich vom indogermanischen Wort für Pflanze ab.
  • Stehen auf den Weidegründen von Kühen Engelwurz-Pflanzen und werden diese von den Kühen gefressen, dann gehen die aromatischen Anteile der Pflanze teilweise in die Milch über und geben der Milch eine besonderen Geschmack.
  • Auch in China ist Engelwurz gekannt und seit über 4.000 Jahren als Heilpflanze genutzt. Man nannte den Engelwurz „Dong Quai“ und hielt ihn lange für die weibliche Variante von Ginseng. Botanisch gesehen handelt es sich dabei um den Chinesischen Engelwurz (Angelica sinensis).
  • Wie viele andere Pflanzen, so wurde auch Dill früher gern als Schutz- und Zauberpflanze benutzt und dem entsprechend Planeten, Sternzeichen und Göttern zugeordnet:
Planet:
  • Sonne
Element:
  • Feuer
Götter/ Magische Kraft bei alten Kulturen:Engelwurz gilt bei den Nordvölkern als Pflanze für Heilung, SChutz und Hellsichtigkeit. Um Visionen zu erzeugen wurden die Blätter Kräutertabak zugesetzt.

Beispiele für eigene Zubereitungen:

Queckenwurzelstock, Graminis rhizoma

Bild: © Heike Rau – Fotolia.com

Klassischer Engelwurz-Tee

  • 1 TL Droge mit 250 ml kaltem Wasser ansetzen und auf dem Herd zum Sieden bringen; ca. 2 Minuten bedeckt ziehen lassen und abgießen; 2-3 Tassen täglich trinken

Klassische Tinktur aus Engelwurz-Früchten

  • Engelwurz-Früchte im Mörser zerkleinern, in ein verschließbares Gefäß geben und im Verhältnis 1: 5 mit 60%igem Alkohol auffüllen, bis alle Teile bedeckt sind; Ansatz 14 Tage ziehen lassen und ab und an schütteln; dann abseihen und den fertigen Extrakt in dunkle Fläschchen abfüllen

Einnahme:

  • 3 x täglich 5 Tropfen nach den Hauptmahlzeiten in etwas Wasser oder auf einem kleinen Stück Brot einnehmen

JG Appetitanregender Tee 

Zutaten:Zubereitung:
  1. 1 EL der Mischung mit 250 ml heißem Wasser übergießen
  2. 5 Minuten ziehen lassen; abgießen
Einnahme
  • 3 x täglich vor dem Essen je eine Tasse trinken

 

Theriak

Bei Theriak handelt es sich um eine geheimnisvolle Medizin aus dem Altertum, welche vor allem durch den Leibarzt Neros bekannt wurde. Die Mixtur bestand aus bis zu 300 Inhaltsstoffen, wie Opium und Vipernfleisch und wurde gegen Vergiftungen einmgesetzt. Der Name Theriak leitet sich von der Schlange “Thyrus” ab. Es gibt nur wenige überlieferte Originalrezepte, die teilweise stark von einander abweichen. Die Naturheilkunde setzt noch heute Theriak ein. Allerdings sind die Rezepte abgewandelt und es werden nur Zutaten verwendet, bei denen man nicht mit dem Gesetzt in Konflikt gerät…

Hier Ein kleines Theriakrezept

 

[1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 1.6.1990., Heftnummer: 101., ATC-Code: A15.
Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/angelicae-radix-angelikawurzel.htm

[2] Fraternale D, Flamini G, Ricci D.: Essential oil composition and antimicrobial activity of Angelica archangelica L. (Apiaceae) roots.; J Med Food. 2014 Sep;17(9):1043-7. doi: 10.1089/jmf.2013.0012. Epub 2014 May 2.: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24788027

[3] Kumar D, Bhat ZA, Kumar V, Shah MY.: Coumarins from Angelica archangelica Linn. and their effects on anxiety-like behavior.; Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2013 Jan 10;40:180-6. doi: 10.1016/j.pnpbp.2012.08.004. Epub 2012 Aug 29.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22960104

[4] Yeh ML, Liu CF, Huang CL, Huang TC.: Hepatoprotective effect of Angelica archangelica in chronically ethanol-treated mice.; Pharmacology. 2003 Jun;68(2):70-3.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12711833

[5] Für eine alkoholische Tinktur aus Engelwurz-Früchten konnte eine signifikant antiproliferative Wirkung gegen Pankreas-Krebszellen nachgewiesen werden! Sigurdsson S, Ogmundsdottir HM, Gudbjarnason S.: Antiproliferative effect of Angelica archangelica fruits.; Z Naturforsch C. 2004 Jul-Aug;59(7-8):523-7.; www.znaturforsch.com/ac/v59c/s59c0523.pdf

[6] Für Blattextrakte von Angelica archangelica konnte eine Antitumor-Aktivität nachgewiesen werden, due aber nicht durch die antiproliferative Aktivität der im Extrakt vorhandenen Furanocumarine zu erklären ist. Sigurdsson S, Ogmundsdottir HM, Hallgrimsson J, Gudbjarnason S.: Antitumour activity of Angelica archangelica leaf extract.; In Vivo. 2005 Jan-Feb;19(1):191-4.
iv.iiarjournals.org/content/19/1/191.full.pdf

[7] Yeh ML, Liu CF, Huang CL, Huang TC.: Hepatoprotective effect of Angelica archangelica in chronically ethanol-treated mice.; Pharmacology 2003;68:70-3
https://www.esearchgate.net/publication/10789916_Hepatoprotective_Effect_of_Angelica_archangelica_in_Chronically_Ethanol-Treated_Mice

[8] ZA Bhat, Dinesh Kumar, MY Shah: Angelica archangelica Linn. is an angel on earth for the treatment of diseases; International Journal of nutrition, pharmacology, neurological deseases 2011

[9] Für Extrakt von Angelica archangelica konnte nachgewiesen werden, dass sie die Blutbildung anregen, d.h. die Anzahl der roten Blutkörperchen steigern. Auch die Anzahl der weißen Blutkörperchen und damit das Immunsystem wurden positiv beeinflusst. Modaresi. M: Effect of Angelica archangelica root hydro-alcoholic extract on the blood cells of small laboratory mice.; ISSN: 1735-0344 Quarterly of the Horizon of Medical Sciences 2013; 18(4): 149-153; hms.gmu.ac.ir/article-1-975-en.pdf

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erster Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • H.-H. Rhyner, B. Frohn: Heilpflanzen im Ayurveda, AT Verlag, Baden und München 2006
  • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007
  • Steflitsch, Michaela; Steflitsch, Wolfgang: Aromatherapie – Wissenschaft – Klinik – Praxis, Springer-Verlag Wien 2007
  • Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium, Die Sanduhr, Fachverlag für altes Wissen, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage 1995

Internetseiten:

  • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/angelica.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Arznei-Engelwurz
  • buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/angelicae-fructus-angelikafruechte-angelicae-herba-angelikakraut.htm
  • https://www.wiktionary.org/wiki/hvonn

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

 

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