Diptam (Dictamnus albus)

Diptam

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Der Diptam ist nur wenigen als Heilpflanze bekannt. Das mag vor allem daran liegen, dass er sehr spezielle Ansprüche an seinen Lebensraum hat. Zum anderen kommt er in Europa bereits seit dem Mittelalter nur noch sehr vereinzelt vor. Aber diese Pflanze fasziniert durch eine Eigenart – sie kann sich selbst entzünden. Zur Reifezeit der Früchte geben kleine Drüsen an den Fruchtständen so viel ätherisches Öl ab, dass die Pflanze von einer nach Vanille und Zitrone duftenden brennbaren Gaswolke umhüllt ist. An heißen Tagen kann sich dieses Gas entzünden und brennt mit kleiner blauer Flamme. Aufgrund dieses Phänomens dachte man lange, dass Diptam der „Brennende Busch“ in der Bibel sei. Aber sein Verbreitungsgebiet steht dieser Theorie entgegen.

Synonyme:
  • Aeschenwurz, Aschwurz, Deiwelspflanz, Eschenwurz, Feuerpflanze, Flammender Busch, Gichtwurz, Hexenkraut, Hirzwurz, Spechtwurz, Springwurz, Spritzessigkraut, Weiße Aschwurz, Weißer Diptam
  • Dictamnus fraxinella, Fraxinella dictamnus
Pflanzenfamilie:

  • Rautengewächse (Rutaceae)
Bezeichnung des
Arzneimittels:
  • Dictamni folium (Diptamblätter)
  • Dictamni albi radix (Diptamwurzel)
Anwendung:
  • Epilepsie (zusammen mit Mistel und Paeonie)*
  • Fieber*
  • Förderung der Menstruation*
  • Magenleiden*
  • Rheuma (als Einreibung)*
  • "Versteinerungen" (Nieren- o. Gallensteine, Arteriosklerose)*
  • Wundheilung (Volksheilkunde des Mittelalters)*

Wirkung:
  • Antibakteriell (wirkt gegen Bakterien)**
  • Entkrampfend (spasmolytisch)**
  • Harntreibend (diuretisch)**
  • Phototoxisch (Bei Berührung mit der Pflanze können schwere Hautverbrennungen entstehen)
  • Schleimlösend**
  • Tonisierend**
Inhaltsstoffe:
  • Flavonoide, u.a. Rutin, Isoquercitrin, Diosmin
  • Furochinolin-Alkaloide, u.a. Dictamnin
  • Furanocumarine, u.a. Psoralen, Bergapten, Xanthotoxin
  • Cumarine, u.a. Aesculetin, Umbelliferon, Limonoide
  • Äth. Öl, bestehend aus Mono- u. Sesquiterpenkohlenwasserstoffen
Dosierung:
  • Keine Angabe
Gegenanzeigen
  • Nicht bei Kindern
  • Nicht in der Schwangerschaft
Nebenwirkungen
  • Pflanze wirkt phototoxisch, d.h. bei Berührung mit oberirdischen Pflanzenteilen wird die Haut gegen Sonnenlicht sensibilisieren. Eine nachfolgende Besonnung kann zu schweren, oft langwierigen verbrennungsartigen Verletzungen führen können.
Wechselwirkungen
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Hildegard-Medizin** ( „Der Diptam ist warm und trocken, und er hat die Kraft des Feuers und die Kräfte des Steins in sich, weil er wie der Stein hart ist in seinen Kräften. Und wie der im Feuer Wärme hat, der aus ihm hervorgeht, so ist der Diptam kräftig gegen Krankheiten, über die er das Übergewicht hat. Denn der Stein, das ist <steyn>, wächst von fetter Natur im Menschen. Wenn er so zu wachsen beginnt, pulverisiere jener Diptam und esse dieses Pulver oft mit Weizenbrot, und er hindert den Stein am Wachsen. Und der Mensch, in dem der Stein wuchs, der lege das Diptampulver in Essig, der mit Honig vermischt ist, und er trinke dies oft nüchtern, und der Stein in ihm wird zerbrochen. Aber auch wer im Herzen Schmerzen hat, esse das aus Diptam gemachte Pulver, und der Herzschmerz wir weichen.“)

Beispiele für Präparate, in denen Diptam vorkommt:

  • Als Arzneimittel zugelassene Mittel sind derzeit kaum auf dem Markt erhältlich. Wer Produkte sucht, in denen Diptam enthalten ist, kann auf Sivesan Fenchel-Mischung zurückgreifen. Diese ist bei Händlern erhältlich, die sich auf Hildegard-Medizin spezialisiert haben. Das Rezept für Sivesan findet sich unter „Beispiele für eigene Zubereitungen“

Diptam selber sammeln: 

Diptam kommt in ganz Europa so selten vor, dass er unter strengstem Naturschutz steht. Das Sammeln der Pflanze oder von Pflanzenteilen ist streng verboten.

Vorkommen/ Standorte
  • Nördl. Mittelmeergebiet, Südosteuropa und im Süd- & Zentral- Mitteleuropa
  • Lichtungen wärmeliebender Trockenwälder und Gebüsche
  • Waldsäume im Übergang zu Trockenrasen
  • Weinanbaugebiete
  • Trockene, kalkhaltige, stickstoffarme Böden im Halbschatten

    In Deutschland:
  • In Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt, Hessen

Beispiele für eigene Zubereitungen:

Tee oder Kaffee

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Tee gegen Regelbeschwerden*

  • 1 TL getrocknete und zerkleinerte Diptam-Wurzel mit 250 ml kaltem Wasser übergießen und kurz aufkochen; 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Tagsüber je 2 Tassen schluckweise trinken.

Klosterheilkunde nach Kräuterpfarrer Benedikt*

JG Teemischung bei Metrorrhagie 

Bei Metrorrhagie handelt es sich um azyklische Blutungen aus der Gebärmutter außerhalb des normalen Menstruationszyklus. Treten solche Zwischenblutungen bei  über 40jährigen Frauen auf, sollte das Vorliegen eines Endometriumkarzinoms als Ursache ausgeschlossen werden!

2 TL der Mischung mit 250 ml heißem Wasser aufgießen und zugedeckt 5 Minuten ziehen lassen; abgießen und 3 x täglich 1 Tasse trinken

Alchimia

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Kräuterpulver Sivesan

Dieses Rezept stammt von Hildegard von Bingen.

  • Aus 100 g pulverisierte Fenchelfrüchte, 50 g Galgant-Pulver und 25 g pulverisierter Diptam-Wurzel eine Mischung herstellen

Einnahme:

  • 1/2 Stunde nach dem Mittagessen 1 TL voll in 1/2 Glas voll warmen Wein einnehmen

Einsatzgebiete:

  • Als univers. Gesundheitsmittel
  • Für einen gesunden Teint
  • Zur Förderung der Durchblutung
  • Zur Förderung der Verdauung
  • Zur Kräftigung bei Rekonvaleszenz

 

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erster Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium, Die Sanduhr, Fachverlag für altes Wissen, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage 1995
  • H.-H. Rhyner, B. Frohn: Heilpflanzen im Ayurveda, AT Verlag, Baden und München 2006

Internetseiten:

  • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/dictamnus.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Diptam

 

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

 

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