Enzian, Gelber (Gentiana lutea)

Wandern

Bild: © Eva Dorsch – Fotolia.com

Bittere Heilpflanzen standen im Altertum als universelle Heilmittel hoch im Kurs. So verwundet es nicht, dass auch der Enzian von Dioskurides und Plinus ausführlich beschrieben und empfohlen wurde. Der Gattungsname Gentiana soll nach dem illyrischen König Gentis zurückzuführen sein. Enzian aus Illyrien soll laut Plinus von besonders hoher Qualität gewesen sein und wurde besonders als Mittel gegen Gicht eingesetzt. Aber auch die appetitanregenden und verdauungsförderden Eigenschaften des Enzian wurden genutzt. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert…

Synonyme:
  • Asterias lutea, Swertia lutea
Pflanzenfamilie:

  • Enziangewächse (Gentianaceae)
Bezeichnung des
Arzneimittels:
  • Gentianae radix (Enzianwurzel)
Anwendung:
  • Appetitlosigkeit [1]
  • Arteriosklerose [2]
  • Blähungen [1]
  • Fieber*
  • Gallensaftanregung [6]
  • Magenbeschwerden (verursacht durch mangelnde Magensaftbildung)*
  • (Schutz vor Strahlenschäden) [3]
  • Tonika*
  • Verdauungsbeschwerden [1]
  • Völlegefühl [1]
Wirkung:
  • Anregung der Speichel- und Magensaftsekretion durch reflektorische Reizung der Geschmacksrezeptoren [1]
  • Antiarteriosklerotische [2]
  • Antibakteriell [4]
  • Antioxidativ, stark [5]
  • Gallensaftanregend (choleretisch) [6]
  • Kräftigend und stärkend**
  • Leberschützend (hepatoprotektiv) [6]
  • Radioprotektiv gegen Röntgenstrahlen [3]
  • Steigerung der Bronchialsekretmenge [1]
  • Tonisierend*
Inhaltsstoffe:
  • Bitterstoffe (Glykoside von Seco-Iridoiden) mit Bitterwert von ca. 12.000
  • Kohlenhydrate 30 - 55 %, v.a. Glucose, Fructose, Saccharose, Gentiobiose, Gentianose
  • Pektine 3 - 11 %
  • Xanthone, v.a. Gentisin, Isogentisin, Methylgentisin, Gentisein, Gentiosid
  • Ätherisches Öl in Spuren
Dosierung:
  • 2 - 4 g Droge
  • 2 - 4 g Fluidextrakt
  • 1 - 3 g Tinktur
Gegenanzeigen
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre
Nebenwirkungen
  • In sehr seltenen Fällen ist gelegentliches Auftreten von Kopfschmerzen möglich.
Wechselwirkungen
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Für Enzian/ -zubereitungen wurde eine Wirkung wissenschaftlich bisher erwiesen gegen:
  • Candida albicans [4]
  • Grampositive & gramnegative
    Bakterienstämme [4]

Ayurvedische Eigenschaften:

Grundeigenschaften:Leicht und trocken
Geschmack:Bitter
Energetische Wirkung:kühlend
Wirkung auf die Doshas:V+ P- K- Die Verdauungswirkung ist scharf.

Beispiele für Präparate, in denen Enzian vorkommt:

Phytotherapie
  • Amara Tropfen Pascoe: Bei Magenbeschwerden, zur Appetitanregung
  • Gallexier® Kräuterbitter: Zur Unterstützung der Magen-Darm-Funktion
  • Sinupret: Bei akutet, unkompliziertet Entzündung d. Nasennebenhöhlen (Rhinosinusitis)

Enzian selber sammeln:  

Sammelorte:
  • Gebirge Mittel- und Südeuropas aufKalk-, Granit- und Gneis-Böden
Sammelzeit:
  • März - April und August - September
Sammelgut:
  • Wurzel

♦ Enzian ist streng geschützt und sollte daher nur aus eigenem Anbau gesammelt!

Beispiele für eigene Zubereitungen:

Tee oder Kaffee

Bild: © Kanea – Fotolia.com

Klassischer Enzian-Tee 

  • 1 TL Droge mit 250 ml kaltem Wasser ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen und dann abgießen

Einnahme bei Appetitlosigkeit: 30 Minuten vor dem Essen
Einnahme bei Verdauungsbeschwerden: nach den Mahlzeiten

JG Tee bei Gallen- und Leberleiden 

Zutaten:Zubereitung:
  1. 1 TL der Mischung mit 200 ml heißem Wasser übergießen
  2. 5 Minuten ziehen lassen; abgießen
Einnahme
  • 3 x tgl. je ein Glas

Kleines Theriak-Rezept

Bei Theriak handelt es sich um eine geheimnisvolle Medizin aus dem  Altertum, welche vor allem durch den Leibarzt Neros bekannt wurde. Die Mixtur bestand aus bis zu 300 Inhaltsstoffen, wie Opium und Vipernfleisch und wurde gegen Vergiftungen einmgesetzt. Der Name Theriak leitet sich von der Schlange “Thyrus” ab. Es gibt nur wenige überlieferte Originalrezepte, die teilweise stark von einander abweichen. Die Naturheilkunde setzt noch heute Theriak ein. Allerdings sind die Rezepte abgewandelt und es werden nur Zutaten verwendet, bei denen man nicht mit dem Gesetzt in Konflikt gerät. Unter anderem wird Kardamom in der Modernen Variante verwendet. Hier das Rezept

 

Florasole

Bild: © Schlierner – Fotolia.com

Enzian-Tinktur  

  • Frische Enzian-Wurzel zerkleinern, in ein verschließbares Gefäß geben und soweit mit 40%igem Doppelkorn oder Weingeist auffüllen, bis alle Teile bedeckt sind; Ansatz 2 – 6 Wochen ziehen lassen und ab und an schütteln; dann abseihen und die fertige Tinktur in dunkle Fläschchen abfüllen

Diese Tinktur kann ersatzweise für den Tee eingenommen werden, z.B. wenn man unterwegs ist. Bei Bedarf in etwas Wasser einnehmen ( 3 x 10 – 20 Tropfen).

 

[1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 30.11.1985., Heftnummer: 223., ATC-Code: A16AY. Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/gentianae-radix-enzianwurzel.htm

[2] Kesavan R, Chandel S, Upadhyay S, Bendre R, Ganugula R, Potunuru UR, Giri H, Sahu G, Kumar PU, Reddy GB, Joksic G, Bera AK, Dixit M.: Gentiana lutea exerts anti-atherosclerotic effects by preventing endothelial inflammation and smooth muscle cell migration.; Nutr Metab Cardiovasc Dis. 2016 Apr;26(4):293-301. doi: 10.1016/j.numecd.2015.12.016. Epub 2016 Jan 6.; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26868432

[3] Für wässrige Extrakte von Gentiana lutea konnte in dieser ersten Studie gezeigt werden, dass eine radioprotektive Wirkung gegen Röntgenstrahlung vorhanden ist. Menkovic N. et al: Radioprotective activity of Gentiana lutea extract and mangiferin.; Phytother Res. 2010 Nov;24(11):1693-6. doi: 10.1002/ptr.3225.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21031630

[4] Savikin K. et al.: Antimicrobial activity of Gentiana lutea L. extracts.; Z Naturforsch C. 2009 May-Jun;64(5-6):339-42.; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19678535

[5] Die Studie zeigt, dass Gentiana lutea sehr starke antioxidative Eigenschaften aufweist, die entweder durch die Fähigkeit zum Absorbieren von DPPH oder Superoxidradikalen zu erklären sind. Kusar A. et al: Free radical scavenging activities of yellow gentian (Gentiana lutea L.) measured by electron spin resonance.; Hum Exp Toxicol. 2006 Oct;25(10):599-604. journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/096032706072467

[6] Für einen ethanolischen Extrakt konnten leberschützende und gallensaftanregende Wirkungen nachgewiesen werden. Oztürk N. et al: Choleretic activity of Gentiana lutea ssp. symphyandra in rats.; Phytomedicine. 1998 Aug;5(4):283-8. doi: 10.1016/S0944-7113(98)80067-6.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23195900

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erster Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007
  • H.-H. Rhyner, B. Frohn: Heilpflanzen im Ayurveda, AT Verlag, Baden und München 2006
  • Steflitsch, Michaela; Steflitsch, Wolfgang: Aromatherapie – Wissenschaft – Klinik – Praxis, Springer-Verlag Wien 2007

Internetseiten:

  • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/gentiana.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Gelber_Enzian

 

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

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