Andorn (Marrubium vulgare)

Alchimia

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Andorn begleitet die Wege des Menschen nachweislich bereits seit der Jungsteinzeit. Er wird wegen seiner hohe Bitterkraft und der damit verbundenen Heilwirkung geschätzt.

Synonyme:
  • Gemeiner Andorn, Mauer-Andorn, Weißer Andorn
  • Marrubium album, M. germanicum, M. lanatum, Prasium marrubium
Pflanzenfamilie:
  • Lippenblütler (Lamiaceae)
Bezeichnung des Arzneimittels:
  • Marrubii herba (Andornkraut)
Anwendung:
  • Appetitlosigkeit [1]
  • Blähungen [1]
  • Katarrhe der obene Luftwege [1]
  • Leberstärkung [3]
  • Verdauungsstörungen [1]
  • Völlegefühl [1]
Wirkung:
  • Antioxidativ [2]
  • Blähungstreibend (karminativ)**
  • Blutzuckersenkend (antihyperglykämisch)[4]
  • Choleretisch, mild (fördert Gallenfluss) [1]
  • Verdauungsfördernd**
Inhaltsstoffe:
  • Bitterstoffe (Bitterwert 3000) z.B. Marrubin
  • Gerbstoffe
  • Ätherische Öle
Dosierung:
  • 4,5 g Droge
  • 2 - 6 EL Presssaft; Zubereitungen entsprechend
Gegenanzeigen
  • Keine bekannt
Nebenwirkungen
  • Keine bekannt
Wechselwirkungen
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Beschriebene Wirkung wurden wissenschaftlich bisher nicht bestätigt!

    Für Andorn wurde eine Wirkung wissenschaftlich bisher erwiesen gegen:
  • Klebsiella pneumoniae [5]

Beispiele für Präparate, in denen Andorn vorkommt:

Phytotherapie
  • Angocin Bronchialtropfen: Zur Unterstützung der Schleimlösung im Bereich der Atemwege
  • Weleda Hustenelexier: Bei akuten katarrhalischen Entzündungen d. Luftwege; Förderung der Expektoration & Linderung des Hustenreizes
Spagyrik:
  • Solunat Nr. 15: Bei Erkrankungen der Atemwege

Andorn selber sammeln: 

Sammelorte:
  • Da Andorn auf der Roten Liste steht, sollte er nicht wild gesammelt werden. Er lässt sich aber im Garten gut kultivieren.
Sammelzeit:
  • Juni bis September
Sammelgut:
  • Blühendes Kraut

Beispiele für eigene Zubereitungen:

Tee oder Kaffee

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Klassischer Andorn-Tee

  • 1 TL geschnittene Droge mit 1 Tasse heißem Wasser übergießen und 7 Minuten bedeckt ziehen lassen; abgießen und 2 – 3 x täglich 1 Tasse 30 Minuten vor den Mahlzeiten trinken

Wird dem bitteren Andorntee etwas Honig zugefügt, wirkt er lt. Volksmedizin gegen Schwermut, Antriebslosigkeit, Fieber und Malaria.

Einsatz bei:

  • Appetitlosigkeit
  • Blähungen
  • Katarrhe der obene Luftwege
  • Leberstärkung
  • Verdauungsstörungen
  • Völlegefühl

Klassischer Andorn-Tee mit Lorbeer und Feige*

Diese Rezept sollte immer dann zum Einsatz kommen, wenn man das Gefühl hat etwas auszubrüten oder man sich unwohl oder niedergeschlagen fühlt.

Zutaten:Zubereitung:
  1. Feigen über Nacht im Wasser einweichen
  2. Morgens das Einweichwasser zusammen mit dem 
    Lorbeerblatt kurz aufkochen
  3. Aufgekochtes Einweichwasser über den Andorn gießen
  4. 5 Minuten zugedeckt ziehen lassen
  5. Abgießen und möglichst heiß trinken

Grippe-Elixier nach Hildegard von Bingen

JG-Tee zur Förderung der Menstruation

  • 25 g Alant-Wurzel
  • 25 g Andorn-Kraut
  • Frische Petersilie

1 TL der Alant-Andorn-Mischung und 1 TL frisch gehackte Petersilie mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen; absieben und 3 x tgl. je eine Tasse trinken

JG-Teemischung bei Lungenverschleimung

1 – 2 TL der Mischung mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen;  absieben und 3 x tgl. je eine Tasse trinken

JG-Teemischung bei Gallenbeschwerden

1 – 2 TL der Mischung mit 250 ml heißem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen;  absieben und 3 x tgl. je eine Tasse trinken

Klassisches Andorn-Öl gegen Muskelverhärtungen und Krampfadern

  1. 2 EL Andorn in 0,5 Liter Olivenöl geben
  2. Den Ansatz 14 Tage bei geschlossenem Glas auf dem Fensterbrett stehen lassen
  3. Ab und an gut schütteln
  4. Nach Ablauf der Zeit Andorn herausfiltern und das fertige Öl in dunkle Fläschchen abfüllen
  5. Kühl aufbewahren

Bei Bedarf betroffene  Stellen mit dem Öl einreiben.

 

[1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 1.2.1990., Heftnummer: 22a., ATC-Code: A16AY.
Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
buecher.heilpflanzen-welt/BGA-Kommission-E-Monographien/marrubii-herba-andornkraut.htm (abgerufen am 18.08.2013)

[2] Bouterfas K., Mehdadi Z., Elaoufi M.M., Latreche A., Benchiha W.,“Antioxidant activity and total phenolic and flavonoids content variations of leaves extracts of white Horehound (Marrubium vulgare Linné) from three geographical origins.“ Ann Pharm Fr. 2016 Nov;74(6):453-462. doi: 10.1016/j.pharma.2016.07.002. Epub 2016 Aug 21.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27553439

[3] Ettaya A., Dhibi S., Samout N., Elfeki A., Hfaiedh N., „Hepatoprotective activity of white horehound (Marrubium vulgare) extract against cyclophosphamide toxicity in male rats.“, Can J Physiol Pharmacol. 2016 Apr;94(4):441-7. doi: 10.1139/cjpp-2015-0405. Epub 2015 Oct 28.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26886858 (abgerufen am 30.12.2016)

[4] Ahmed A. Elberry et al, „Methanolic extract of Marrubium vulgare ameliorates hyperglycemia and dyslipidemia in streptozotocin-induced diabetic rats“, International Journal of Diabetes Mellitus Volume 3, Issue 1, May 2015, Pages 37–44
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1877593411000051 (abgerufen am 30.12.2016)

[5] Zahra Dehbashi et al,  „Antibacterial activity of Marrubium vulgare L. against antibiotic resistance Klebsiella pneumoniae strains“, Advanced Herbal Medicine,
Herbmed.skums.ac.ir/article_14336.html (abgerufen am 30.12.2016)

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Zweiter Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium, Die Sanduhr, Fachverlag für altes Wissen, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage 1995
  • H.-H. Rhyner, B. Frohn: Heilpflanzen im Ayurveda, AT Verlag, Baden und München 2006

Internetseiten:

  • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/marrubium.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Gewöhnlicher_Andorn

 

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

 

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