Galgant (Alpinia officinarum)

Galgant

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Die aus China stammende Galgantwurzel stand schon im Altertum als Stomachikum hoch im Kurs. Sie war so beliebt, dass sich ihr Einsatz über die Jahrhunderte stark verbreitete. So findet man sie nicht nur in der traditionell chinesische Medizin, sondern auch in den Ayur-Vedas Susrutas (5. Jahrhundert n. Chr.), bei den arabischen Ärzte Avicenna und Alkindi bis hin zur Schule von Salerno (13. Jahrhundert) und der hl. Hildegard von Bingen. Was bei den Vorreitern der Pflanzenheilkunde in so hohem Kurs stand, verdient auch heute seinen Platz in der Heilpflanzen-Literatur…

Synonyme:
  • Kleiner Galgant, Galgant, Siam-Galgant, Aganzwurz, Galgenwurz, Galgenwottel, Gallerjahn
  • Languas officinarum
Pflanzenfamilie:
  • Ingwergewächse (Zingiberaceae)
Bezeichnung des
Arzneimittels:
  • Galangae rhizoma
    (Galgant-Wurzelstock)
  • Ätherisches Galgantöl
Anwendung:
  • Angina pectoris*
  • Appetitlosigkeit [1]
  • Aphrodisiakum*
  • Bronchialkatarrh*
  • Dysbiose*
  • Dysmenorrhoe [4]
  • Dyspeptische Beschwerden [1]
  • Knochenerkrankungen [5]
  • Magengeschwür [6]
  • Rheuma*
  • Roemheld-Syndrom*
  • Schwächezustände*
  • Würmer*
  • Bronchitis, asthmatische*
  • Magenentzündung*
  • Verdauungsschwäche*
Wirkung:
  • Antibakteriell [1]
  • Entkrampfend (spasmolytisch) [1]
  • Entzündungshemmend (antiphlogistisch) -
    Durch Hemmung der Prostaglandinsynthese [1]
  • Hemmend auf Magensäure-Sekretion [6]
  • Magenschützend (antiulcerativ) [6]
  • Osteoblastenmineralisierung wird stimuliert [5]
  • Osteoblastenaktivität wird gehemmt [5]
  • Tumorhemmend (antiproliferativ) [2] [3]
  • Entkrampfend (spasmolytisch)**
  • Karminativ**
  • Mukolytisch**
Inhaltsstoffe:
  • Ätherisches Öl
  • Harzige Scharfstoffe
  • Gingerole
  • Bittere Flavonderivate (z.Bsp. Galangin)
  • Fette
  • Zucker
  • Gerbstoffrot
  • Stärke
  • Monoterpene
  • Ester
  • Oxide
Dosierung:
  • 2 - 4 g Droge
  • 2 - 4 g Tinktur
  • Nicht festgesetzt
Gegen-
anzeigen
  • Keine bekannt
  • Keine bekannt
Neben-
wirkungen
  • Keine bekannt
  • Keine bekannt
Wechsel-
wirkungen
  • Keine bekannt
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Ayurvedische Eigenschaften: 

Grundeigenschaften:Leicht, spitz und trocken
Geschmack:Scharf
Energetische Wirkung:Erhitzend
Wirkung auf die Doshas:V- P+ K- Die Verdauungswirkung ist scharf.

Beispiele für Präparate, in denen Galgant vorkommt:

Phytotherapie
  • Galganttabletten 0.1 Jura Bei Spannungs- und Erregungszuständen, innerer Unruhe, Nervosität, Einschlafstörungen, nervösen Kopfschmerzen, Wetterfühligkeit, Zyklusstörungen und Wechseljahrsbeschwerden, nervösen Magen- und Darmbeschwerden, Verdauungsstörungen, Völlegefühl sowie mangelndem Appetit.
Andere:
  • Klosterfrau Melissengeist

Galgant selber sammeln: 

  • Galgant ist in den südchinesischen Provinzen Guangdong und Guangxi heimisch. Der Anbau erfolgt heute jedoch besonders auf Sri Lanka, in Vietnam, Indien und Thailand.

Interessantes rund um Galgant:

Beispiele für eigene Zubereitungen:

Tee oder Kaffee

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Klassischer Galgant-Tee (Grundrezept)

  • 1 TL Droge mit 200 ml heißem Wasser übergießen und zugedeckt 5 Minuten ziehen lassen; abgießen und 1 – 3 x täglich je eine Tasse trinken

JG Appetitanregender Tee

Zutaten:Zubereitung:
  1. 1 EL der Mischung mit 250 ml heißem Wasser übergießen
  2. 5 Minuten ziehen lassen; abgießen
Einnahme
  • 3 x täglich vor dem Essen je eine Tasse trinken

Kräuterpulver Sivesan

Dieses Rezept stammt von Hildegard von Bingen.

Zutaten:Zubereitung:
  • Zutaten zermahlen und mischen
Einnahme
  • 1/2 Stunde nach dem Mittagessen 1 TL voll
    in ½ Glas voll warmen Wein einnehmen
Einsatzgebiete:
  • Als univers. Gesundheitsmittel
  • Für einen gesunden Teint
  • Zur Förderung der Durchblutung
  • Zur Förderung der Verdauung
  • Zur Kräftigung bei Rekonvaleszenz

Galgant in der Küche 

Farro

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Galgant findet sich besonders in den Rezepten von Hildegard von Bingen. Bekannt ist u.a. ihr Dinkel-Habermus mit Galgant und Bertram. Hier das Rezept.

 

[1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 18.9.1986., Heftnummer: 173., ATC-Code: A16AY. Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/galangae-rhizoma-galantwurzelstock.htm

[2] Für einen methanolischen Extrakt konnten antiproliferative Wirkungen auf Brustkrebszellen nachgewiesen werden. Ghil S.: Antiproliferative activity of Alpinia officinarum extract in the human breast cancer cell line MCF-7.; Mol Med Rep. 2013 Apr;7(4):1288-92. doi: 10.3892/mmr.2013.1305. Epub 2013 Feb 5.; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23404367

[3]  Galgant, Gelbwurz und Ingwer zeigten in wässrigen und organischen Lösungsmittelextrakten antiproliferative Wirkungen gegen akute monozytische Leukämie. Omoregie SN. et a.: Antiproliferative activities of lesser galangal (Alpinia officinarum Hance Jam1), turmeric (Curcuma longa L.), and ginger (Zingiber officinale Rosc.) against acute monocytic leukemia.; J Med Food. 2013 Jul;16(7):647-55. doi: 10.1089/jmf.2012.0254. Epub 2013 Jul 2.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23819642

[4] A. Officinarum 80% Alkohol-Extrakt zeigte stark erleichternde Wirkung bei primärer Dysmenorrhoe. Huang et al: Effect of Alpinia officinarum Hance alcohol extracts on primary dysmenorrheal.; Asian Pac J Trop Med. 2016 Sep;9(9):882-6. doi: 10.1016/j.apjtm.2016.07.012. Epub 2016 Jul 26.; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27633303

[5] Für Wasserextrakt von A. officinarum konnte nachgewiesen werden, dass die Osteoblastenmineralisierung stimuliert und die Osteoklasten-Differenzierung gehemmt wird. Galgant ist daher eine wunderbare Pflanze, um pathologische Knochenerkrankungen zu behandeln oder zu verhindern, indem das Gleichgewicht zwischen Osteoklasten und Osteoblastenaktivität reguliert wird. Shim KS et al: Alpinia officinarum Stimulates Osteoblast Mineralization and Inhibits Osteoclast Differentiation.; Am J Chin Med. 2016;44(6):1255-1271. Epub 2016 Sep 15.; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27627921

[6] Ein ethanolischer Extrakt von A. galanga zeigte starke Wirkung gegen Schäden an der Magenschleimhaut. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante antisekretorische und zytoprotektive Wirkung von A. galanga. Al-Yahya et al: Gastric Antisecretory, Antiulcer and Cytoprotective Properties of Ethanolic Extract of Alpinia galanga Willd in Rats; Phytotherapy research, Vol. 4, No. 3, 1990

 

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erster Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • H.-H. Rhyner, B. Frohn: Heilpflanzen im Ayurveda, AT Verlag, Baden und München 2006
  • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007
  • Zimmermann, Eliane: Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe“, 3. überarbeitete Auflage, Sonntag Verlag, Stuttgart 2006
  • Steflitsch, Michaela; Steflitsch, Wolfgang: Aromatherapie – Wissenschaft – Klinik – Praxis, Springer-Verlag Wien 2007

Internetseiten:

  • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/alpinia-offi.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Echter_Galgant
  • www.st-hildegard.com/de/

 

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

 

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