Chinarinde (Cinchona pubescens)

Chinarinde, Cinchonae cortex

Bild: © Heike Rau – Fotolia.com

Hört man den Namen Chinarinde, mag man denken der dazu gehörende Baum kommt aus China. Aber weit gefehlt. Seine Heimat hat der Chinarindenbaum in Südamerika. Aus dem Wort „Quina“, der Bezeichnung der südamerikanischen Indianer für Rinde, wurde später Chinarinde abgeleitet.Über die traditionelle Verwendung der Rinde liegt vieles im Dunkeln der zerstörerischen Kolonial-Geschichte Südamerikas. In Vergessenheit geriet Chinarinde aber nicht. Aus ihr wurde das Chinin gewonnen, dass anfänglich einzig wirksame Mittel gegen Malaria.

Auch wenn Chinarinde kein heimisches Gewächs ist, gehört die nähere Beschäftigung mit dieser Pflanze für jeden phytotherapeutisch Interessierten zur Pflicht!

Synonyme:
  • Roter Chinarindenbaum, Quinas
  • Cinchona cordifolia, C. succirubra, C. tucuyensis
Pflanzenfamilie:

  • Rötegewächse (Rubiaceae)
Bezeichnung des
Arzneimittels:
  • Cinchonae cortex (Chinarinde)
Anwendung:
  • Appetitlosigkeit [1]
  • Dyspeptische Beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl [1]
  • Fieber*
  • Grippale Infekte*
  • Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflattern und Vorhofflimmern (aus Chinin gewonnenes Chinidin)*
  • Krämpfe*
  • Malaria (mittels aus der Droge isoliertem Chinin) [2] [3] [4]
Wirkung:Chinarinde
  • Förderung der Magensaft- und Speichelsekretion [1]
  • Tonisierend auf den Gesamtorganismus, bis. in der Rekonvaleszenz**
Chinin
  • Abtötende Wirkung auf einzellige Organismen (hemmt Vermehrung von Malaria-Plasmodien innerhalb der roten Blutkörperchen) [2] [3] [4]
  • Analgetisch (schmerzlindernd)**
  • Antipyretisch (fiebersenkend)**
  • Cytotoxisch**
  • Lokal reizend**
  • Muskelrelaxierend**
  • ↑ Erregbarkeit der Uterus-Muskulatur gegen Oxytocin-artige Verbindungen [5] [6]
Chinidin
  • Negativ dromotrop (verlangsamt dier Erregungsleitung am Herzen)**
  • Negativ inotrop (↓ Kontraktionskraft des Herzens)** wie z.B. Betablocker
  • Negativ bathmotrop (↑ Erregungsschwelle am Herzen an)** - wie z.B. Lidocain
Inhaltsstoffe:
  • Alkaloide (5 - 15 %) gebunden an Säure oder Gerbstoffe mit Chinin (30 - 60 %), Chinidin, Cinchonin, Cinchoiden
  • Phenylpropanderivate
  • Flavonoide
  • Phenylpropansubstituierte Epicatechine
  • Gerbstoffe
  • Phlopaphene
Dosierung:
  • 1 - 3 g Droge
  • 0,6 - 3 g Chinafluidextrakt mit 4 - 5 % Gesamtalkaloiden
  • 0,15 - 0,6 g Chinaextrakt mit 15 - 20 % Gesamtalkaloiden
Gegenanzeigen
  • Schwangerschaft
  • Überempfindlichkeit gegen Cinchona-Alkaloide wie Chinin oder Chinidin
Nebenwirkungen
  • Gelegentlich Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautallergien oder Fieber, erhöhte Blutungsneigung durch Verminderung der Blutplättchen (Thrombocytopenie) – In diesen Fällen ist sofort ein Arzt aufzusuchen.
Wechselwirkungen
  • Bei gleichzeitiger Gabe Wirkungsverstärkung von Antikoagulantien

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Beispiele für Präparate, in denen Chinarinde vorkommt:

Phytotherapie
  • AMARA-Pascoe® Tinktur: Bei Magenbeschwerden und zur Appetitanregung
Homöopathie
  • Toxi-loges® Tropfen:Zur Besserung der Beschwerden bei Infekten der oberen Atemwege
  • Milzimmunosyx: Zur unterstützenden Behandlung bei Störungen der Milzfunktion
  • Spasmo-Entoxin:Bei Erkrankungen der Verdauungsorgane und bei Krämpfen

Der aus Chinarinde extrahierte Wirkstoff Chinin (Chininsulfat) wurde früher zur Behandlung von Malaria eingesetzt. Chinin verhindert die Bildung des Enzyms Hämpolymerase, auf welches die Malariaerreger während ihrer Lebensphase in den roten Blutkörperchen angewiesen sind. Dabei wurden hohe Dosen von 0,8 bis 1 g Chinin eingesetzt. In zu hohen Dosen hat Chinin starke Nebenwirkungen, ab 5 bis10 g wirkt Chinin tödlich, weil es die Atemmuskulatur lähmt.

In geringen Dosen von 200 mg wird Chinin gegen nächtliche Krämpfe eingesetzt, da es an der motorischen Endplatte, der Verbindungsstellen zwischen Nerven und Muskelfasern krampflösend wirkt und Schmerzen löst. Versuchsweise wurde Chinin auch bei Fibromyalgie eingesetzt.

Chinin als EinzelwirkstoffLimptar® N Filmtabletten

Prophylaxe und Therapie nächtlicher Wadenkrämpfe

Beispiele für eigene Zubereitungen:

Tee oder Kaffee

Bild: © Kanea – Fotolia.com

Klassischer Chinarinden-Tee bei Magen-Darm-Beschwerden 

  • 1 TL Droge mit 1 Tasse kochendem Wasser übergießen und 7 Minuten ziehen lassen; abgießen und 2 – 2 x tgl. 30 Minuten vor dem Essen eine Tasse trinken

Harntreibender Bitter-Wein

Zubereitung:

  1. Die zerstoßenen Pflanzen 24 Stunden im Wein ausziehen lassen
  2. Durch ein Tuch filtern und dabei ausdrücken

Einnahme:

  • Bei Schwäche der Ausscheidungsorgane mit 4 EL täglich beginnen, dann steigern.

 

[1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 1.2.1990., Heftnummer: 22a., ATC-Code: A15.
Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
buecher.heilpflanzen-welt/BGA-Kommission-E-Monographien/cinchonae-cortex-chinarinde.htm

[2] Andrade-Neto VF, Brandão MG, Stehmann JR, Oliveira LA, Krettli AU.: Antimalarial activity of Cinchona-like plants used to treat fever and malaria in Brazil.; J Ethnopharmacol. 2003 Aug;87(2-3):253-6.; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12860318

[3] Leverrier A, Bero J, Frédérich M, Quetin-Leclercq J, Palermo J.: Antiparasitic hybrids of Cinchona alkaloids and bile acids.; Eur J Med Chem. 2013 Aug;66:355-63. doi: 10.1016/j.ejmech.2013.06.004. Epub 2013 Jun 12.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23816880

[4] Knauer A. et al: In-vitro response of Plasmodium falciparum to the main alkaloids of Cinchona in northwestern Thailand.; Wien Klin Wochenschr. 2003;115 Suppl 3:39-44.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15508779

[5] De Jongh DK, Van Proosdij-Hartzema EG, Knoppers AT.: Oxytocic action of cinchona alkaloids.; Arch Int Pharmacodyn Ther. 1951 Oct;88(1):84-93.

[6] Van Proosdij-Hartzema EG, De Jongh DK: Studies on cinchona-alkaloids and related compounds. II. Oxytocic experiments.; Arch Int Pharmacodyn Ther. 1954 Jul 1;98(3):320-3.

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erster Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007

Internetseiten:

  • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/cinchona.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Chinarindenbäume
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Roter_Chinarindenbaum

 

 

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

 

Print Friendly, PDF & Email
Administration