Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)

Alchemilla gilt als das Kraut der Alchemisten. Das liegt an der besonderen Eigenschaft der Blätter, überschüssiges Wasser „auszuschwitzen“ (Guttation). Den Alchemisten galten die auf den Frauenmantelblättern versammelten Tropfen als „himmlisches Wasser“ und sie benutzten es bei der Zubereitung des „Steines der Weisen“. In der Heilkunde wurde Frauenmantel verehrt. Bei den Germanen war die Pflanze der Fruchtbarkeitsgöttin Frigga gewidmet. Nach der Christianisierung wurde der alte Glaube auf die Jungfrau Maria übertragen. Die Heilige Hildegard empfahl Frauenmantel bei Frauenleiden und Kehlkopfgeschwüren.

Synonyme:
  • Gemeiner Frauenmantel, Echter Sinau, Taublatt, Tauschüsselchen, Marienmantel, Liebfrauenmantel, Frauenhilf, Tränenschön, Taubecherl, Alchemistenkraut
  • Alchemilla xanthochlora, Alchemilla pratensis
Pflanzenfamilie:

  • Rosengewächse (Rosaceae)
Bezeichnung des
Arzneimittels:
  • Alchemillae herba (Frauenmantelkraut)
Anwendung:
  • Adstringens bei Blutungen und Wunden*
  • Beckenboden-Probleme*
  • Durchfallerkrankungen, leichte unspezifische [1]
  • Dysmenorrhoe*
  • Gebärmuttersenkung*
  • Magen-Darm-Katarrhe
  • Weißfluss bei Frauen*
  • Wochenbett*
Wirkung:
  • Blutdrucksenkend (anthypertensiv) [2]
  • Entzündungshemmend (antiphlogistisch)**
  • Gefäßentspannend (vasorelaxierend) [2]
  • Schmerzlindernd (analgetisch)**
  • Zusammenziehend (adstringierend) [1]
Inhaltsstoffe:
  • Gerbstoffe (hauptsächlich Elangitannine: Agrimoniin, Laevigatin F, Penduculagin)
  • Flavonoide (Quercetinglykoside, Leukocyanidin)
  • Bitterstoffe
Dosierung:
  • 5 - 10 g Droge
Gegenanzeigen
  • Keine bekannt
Nebenwirkungen
  • Keine bekannt
Wechselwirkungen
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Ayurvedische Eigenschaften:

Grundeigenschaften:Leicht und trocken
Geschmack:Herb und Bitter
Energetische Wirkung:Kühlend
Wirkung auf die Doshas:V+ P- K- Die Verdauungswirkung ist sauer.

Beispiele für Präparate, in denen Frauenmantel vorkommt:

In der Schulmedizin gilt die Anwendung von Frauenkraut als überholt, weshalb man kaum Präparate findet, in denen er vorkommt. Gelegentlich wird er jedoch in Teemischungen zu finden sein.

Homöopathie:
  • Steirocall® Tropfen Zur begleitenden Behandlung von Arthrose und degenerativen Gelenks- und Knochenveränderungen

Frauenmantel selber sammeln: 

Sammelorte:
  • Auf der gesamten nördlichen Erdhalbkugel
  • Auf feuchten Wiesen und an Bachufern
  • Auf Feldern, in lichten Wäldern und in Gärten
Sammelzeit:
  • Mai bis August
Sammelgut:
  • Blätter

Interessantes rund um den Frauenmantel:

  • Wie viele andere Pflanzen, so wurde auch Frauenmantel früher gern als Schutz- und Zauberpflanze benutzt und dem entsprechend Planeten, Sternzeichen und Göttern zugeordnet:
Planet:
  • Venus
Element:
  • Wasser
Götter/ Magische Kraft bei alten Kulturen:Frauenmantel war bei den alten Kulturen eine beliebte Heil- und Zauberpflanze. Später wurde sie zur Pflanze der Alchemisten, was sich an ihrem Namen "Alchemilla" erkennen lässt.
Frauenmantel galt als Pflanze der Heilung und der Liebe. Der Tau, welcher sich in den Blättern der Pflanze sammelt galt als Tränen der Venus und war ein beliebter Bestandteil von Liebestränken.

Beispiele für eigene Zubereitungen:

Tee oder Kaffee

Bild: © Kanea – Fotolia.com

Klassischer Frauenmantel-Tee (Grundrezept)

  • 1 TL Kraut mit 1 Tasse heißem Wasser aufgießen und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen; abgießen und täglich 1 – 3 Tassen trinken

JG Teemischung bei  Fluor albus (Weißfluss)

Zutaten:Zubereitung:
  1. 1 TL der Mischung mit 250 ml heißem Wasser übergießen
  2. 5 Minuten ziehen lassen; abgießen
Einnahme
  • 1 - 3 x täglich je eine Tasse trinken

Teemischung zur Unterstützung des weiblichen Körpers

Hier geht es zum Rezept

Florasole

Bild: © Schlierner – Fotolia.com

Klassische Frauenmantel-Tinktur 

Zutaten:
  • 40 g Frauenmantel-Wurzel
  • 8 g Blätter und Blüten
  • Alkohol (50 - 60 %)

Die Frauenmantel-Wurzel enthält viel Progesteron,
ein Sexualhormon, dass in der zweiten Phase des
Menstruationszyklus und während der
Schwangerschaft eine Rolle spielt.
Zubereitung:
  1. Die Frauenmantel-Wurzel waschen, schaben und trockentupfen
  2. Wurzel in kleine Scheiben schneiden
  3. Blätter und Blüten sehr fein schneiden
  4. Wurzel, Blätter & Blüten in ein verschließbares Glas geben
  5. Das Glas soweit mit Alkohol auffüllen, dass die Zutaten bedeckt sind
  6. Glas verschließen und 4 Wochen auf der Fensterbank stehen lassen; ab und an schütteln
  7. Nach Ablauf der Zeit feste Teile herausfiltern
  8. Fertige Tinktur in dunkle Fläschchen abfüllen, etikettieren und an einem kühlen Ort lagern
Einnahme
  • Während der zweiten Zyklushälfte, etwa 10-14 Tage vor der Menstruation oder beibei Zyklusbeschwerden
    • 3 x täglich 3-4 Tropfen in wenig Wasser oder
    • 4 x 4 Sprühstösse in den Mund (Tinktur dazu in eine Pumpspray-Flasche füllen)
Anwendung bei:
  • Wechseljahresbeschwerden (parallel zur Frauenmantel-Tinktur empfiehlt sich die Einnahme von Wechseljahres-Tee)
  • Libidoverlust
  • Myome, Eierstock- und Brustzysten
  • PMS (Prämenstruellem Syndrom)
  • Schmierblutungen
  • Venenproblemen (schwere Beine)
  • Verkürztem Zyklus

Breiauflage bei äußerlichen Wunden

  • Das frische Frauenmantel-Kraut wird auf ein hölzernes Küchenbrett gelegt und mit einem Teigroller so lange gewalzt, bis ein Blätterbrei entsteht. Diesen streicht man auf ein sauberes Leinen- oder Küchentuch und legt es auf die kranke Stelle. Mit einem leichten Verband kann das Tuch fixiert werden, damit es über Nacht am Körper verbleibt und nicht verrutscht. Eine zusätzlich aufgelegte Wärmflasche hält den Verband warm (Bei Entzündungen Wärmflasche weglassen!)

Frauenmantel in der Küche

Alchemilla

Bild: © Hetizia – Fotolia.com

Frauenmantel-Apfelsaft-Schorle

  • Aus kaltem Frauenmanteltee und Apfelsaft eine Schorle mischen und als Erfrischungsgetränk an heißen Tagen genießen

 

[1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 18.9.1986., Heftnummer: 173., ATC-Code: A09AX. Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/alchemillae-herba-frauenmantelkraut.htm

[2] Für wässrige und alkoholische Auszüge aus Alchemilla vulgaris konnten gefäßentspannende und blutdrucksenkende Wirkungen nachgewiesen werden. S. Takır et a.: Vasorelaxant and blood pressure lowering effects of alchemilla vulgaris: A comparative study of methanol and aqueous extracts.; Pharmacogn Mag. 2015 Jan-Mar; 11(41): 163–169. doi: 10.4103/0973-1296.149733  PMCID: PMC4329619
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4329619/

 

Recherche-Quellen:

  • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erster Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
  • Magister Botanicus: Magisches Kreutherkompendium, Die Sanduhr, Fachverlag für altes Wissen, 2. überarbeitete und ergänzte Auflage 1995
  • H.-H. Rhyner, B. Frohn: Heilpflanzen im Ayurveda, AT Verlag, Baden und München 2006
  • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007

Internetseiten:

  • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/alchemilla.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Spitzlappiger_Frauenmantel

 

Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

 

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