Isländisches Moos (Cetraria islandica)

Isländisches Moss NEU

Bild: © by-studio – Fotolia.com

Bei Isländischem Moos handelt es sich streng genommen um eine Flechte, also eine Lebensgemeinschaft von Algen und Pilzen. In vergangenen Zeiten galt das Gewächs als verwunschene Pflanze. In einer Sage heißt es, das Isländische Moos sei einst ein saftiges Kraut gewesen sei, dass die Berge und Täler des Nordens üppig bedeckte und die Bauern reich machte. Aber weil sie ihren Reichtum nicht teilen wollten, wurde ein Bann über die Pflanze gelegt und seither wächst sie nur unter dem Schnee. Seiner Beliebtheit hat dies offensichtlich nicht geschadet, denn bei den Nordländern stand die als Misere bezeichnete Flechte hoch im Kurs und wurde bei Lungenerkrankungen, als Stärkungs- und Nahrungsmittel eingesetzt. Als erste Europäer verwendeten die Isländer das Isländische Moos in der Medizin. Sie nannten es Fjallagrös, zu Deutsch Berggras. Die Pflanze wächst aber nicht nur auf Island und in den Nordländern, sondern auch im Mittelgebirge und den Heidegebieten des Flachlands.

Das Besondere am Isländischen Moos ist sein hoher Gehalt an langkettige Zuckermolekülen, die Schleim bilden. Diese schleimbildenden Zuckerstoffe, legen sich wie eine Schutzschicht über die Schleimhaut in Mund, Rachen und Magen. Durch den Film, den sie bilden, beruhigen gereizte Schleimhäute. Daher wird Isländisches Moos gern bei Halsschmerzen, Heiserkeit, trockenen Reiz-Husten oder bei Magenschleimhaut-Entzündung eingesetzt. Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass Inhaltsstoffe aus Isländisch Moos das Wachstum von Bakterien hemmen und sich womöglich auch günstig auf das Immunsystem auswirken.

Synonyme:
  • Lichen islandicus, Lobaria islandica
  • Fiebermoos, Lungenmoos, Purgiermoos
  • Blätterflechte, Fieberflechte, Heideflechte, Hirschhornflechte, Lungenflechte, Isländische Flechte, Tartschenflechte, Misere
Pflanzenfamilie:


  • Flechten (Parmeliaceae)
Bezeichnung des Arzneimittels:

  • Lichen islandicus (Isländisches Moos)
Anwendung:
  • Appetitlosigkeit [1]
  • Bronchialkatharr, chronischer*
  • Erschöpfungszustände*
  • Magenerkrankungen (Tonikum)*
  • Reizhusten, trockener [1]
  • Stimmband-Pflege (z.B. bei Sängern oder Rednern)*
Wirkung:
  • Antibakteriell [1]
  • Antioxidativ [3]
  • Appetitanregend (stomachisch)**
  • Entzündungshemmend (antiphlogistisch) [2] [3]
  • Reizlindernd bei Husten [1]
  • Schleimhautberuhigend durch Schleimstoffe**
Inhaltsstoffe:
  • 50 % Wasserlösliche Polysaccharide Lichenin und Isolichenin ( = Schleimstoffe)
  • Flechtensäuren (Bitterwert 700) z.B.
    • Fumarprotocetrarsäure
    • Usninsäure (wirksam gegen Mykobakterium tuberkulosis, den Erreger von Tbc)
    • Cetrarsäure

  • Jod
Dosierung:
  • 4 - 6 g Droge
Gegenanzeigen:
  • Keine bekannt
Nebenwirkungen:
  • Keine bekannt
Wechselwirkungen:
  • Keine bekannt

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Ayurvedische Eigenschaften: 

Grundeigenschaften:Ölig
Geschmack:Süß und bitter
Energetische Wirkung:Kühlend
Wirkung auf die Doshas:V- P- K+ Die Verdauungswirkung ist süß.

Beispiele für Präparate, in denen Isl. Moos vorkommt: 

Phytotherapie
  • Cefabronchin® Tropfen: Bei Entzündungen der oberen Luftwege, Bronchitis, Bronchiolitis, Pharyngo-Laryngitis
  • Cerivikehl® Urtinktur: Bei Entzündungen der oberen Luftwege, Bronchitis, Bronchiolitis, Pharyngo-Laryngitis

Isländisches Moos selber sammeln: 

Standorte:
  • Verbreitet in ganz Europa, bes. in Gebirgslagen zwischen 1500 und 2500 m
  • Im Flachland an offenen Standorten auf sandigen Böden
  • In Mooren, lichten Kiefernwäldern und Zwergstrauchheiden
  • Sammelzeit:
  • April bis September
  • Sammelgut:
  • Thallus (Vegetationskörper) der Flechten
  • Beispiele für eigene Zubereitungen:

    Tee oder Kaffee

    Bild: © Kanea – Fotolia.com

    Klassischer Magen-Tee aus Isländisch Moos (Grundrezept)

    • 1 TL Droge mit 1 Tasse kaltem Wasser ansetzen und 3 – 5 Stunden ziehen lassen, abgießen und erwärmt trinken; 3 x täglich 1 Tasse

    Husten-Tee aus Isländischem Moos

    • 1 – 2 TL Droge mit 200 ml kaltem Wasser aufsetzen und 30 – 60 Minuten ziehen lassen; abgießen und 3 x täglich je eine Tasse trinken

    JG Teemischung gegen Reizhusten und Bronchitis 

    Zutaten:Zubereitung:
    1. 3 TL der Mischung mit 250 ml heißem Wasser übergießen
    2. 10 Minuten ziehen lassen; abgießen
    Einnahme
    • 3 - 5 x tgl. je eine Tasse trinken
    Flüssige Medizin in einer Flasche

    Bild: © Markus Mainka – Fotolia.com

    Hustensirup aus Isländischem Moos

    Zutaten:Zubereitung:
    1. Wasser zum Kochen bringen
    2. Anis und Fenchel im Mörser anstoßen
    3. Alle Kräuter in einen Topf geben und mit dem kochenden Wasser überbrühen
    4. 10 Minuten bedeckt ziehen lassen
    5. Kräuter absieben
    6. Kandiszucker einrühren und auflösen lassen
    7. Tee weiterköcheln lassen, bis er ein wenig eindickt
    8. In dunkle Fläschchen abfüllen und kühl aufbewahren

    Einnahme
    • Bei Bedarf mehrmals täglich einen TL voll einnehmen

    Klassische Isländisch-Moos-Tinktur [3]

    Zutaten:Einnahme
    • 3 x täglich 10 Tropfen einnehmen
    Zubereitung:
    1. Frisch zerkleinertes Isländisches Moos locker in
      das Glas schichten (ca. 2/3 voll)
    2. Im Verhältnis 1:5 mit dem Alkohol auffüllen
    3. Glas verschließen und ca. 14 Tage auf der
      Fensterbank stehen lassen (nicht zu sonnig)
    4. Glas innerhalb der Zeit immer mal schütteln
    5. Nach 14 Tagen Hopfen herausfiltern
      (In einem Tuch auffangen und ordentlich auspressen)
    6. Fertige Tinktur in dunkle Fläschchen
      abfüllen und diese kühl stellen
    Anwendung bei:
    • Appetitlosigkeit
    • Asthma bronchiale
    • Atemkatarrh
    • Bronchitis
    • Gastritis
    • Magen-und Zwölffingerdarmgeschwüre
    • Reizdarmsyndrom
    • Reizung oder Entzündung der Mund- und Rachenschleimhaut
    • Trockener Reizhusten, Heiserkeit und Halsschmerzen
    • Tumore
    • Verdauungsbeschwerden

    Isländisches Moos in der Küche

    Fotolia Küchenfee

    Bild: © yamamen – Fotolia.com

    Isländisches Moos lässt sich auch als Küchenzutat verwenden, z.B. als Salat.

     

    [1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 2.3.1989., Heftnummer: 43., ATC-Code: R07AX.
    Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
    buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/lichen-islandicus-islaendisches-moos.htm

    [2] Wässriger Extrakt von C. islandica scheint eine entzündungshemmende Wirkung zu haben, möglicherweise durch Änderung der Zytokinsekretionsvorspannung . Freysdottir J, Omarsdottir S, Ingólfsdóttir K, Vikingsson A, Olafsdottir ES.: In vitro and in vivo immunomodulating effects of traditionally prepared extract and purified compounds from Cetraria islandica.; Int Immunopharmacol. 2008 Mar;8(3):423-30. doi: 10.1016/j.intimp.2007.11.007. Epub 2007 Dec 7. [PubMed]

    [3] European Medicines Agency (2014): Assessment report on Cetraria islandica (L.) Acharius s.l.,thallus.; Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC)

     

    Recherche-Quellen:

    • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erste Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
    • H.-H. Rhyner, B. Frohn: Heilpflanzen im Ayurveda, AT Verlag, Baden und München 2006
    • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007

    Internetseiten:

    • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/cetraria.html
    • https://de.wikipedia.org/wiki/Cetraria_islandica
    • www.awl.ch/heilpflanzen/islaendisches_moos.htm

     

    Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

    Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

     

    Print Friendly, PDF & Email
    Administration