Hafer (Avena sativa)

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Hafer begleitet die Wege des Menschen nachweislich seit mehr als 5.000 Jahren. Er war für die frühen Kulturen ein wichtiges Futter- und Nahrungsmittel. Erkennbar ist dies schon am seinen Namen, den „Avena“ leitet sich aus dem Sanskrit ab und bedeutet Schaf (avena = Schafgras). Der Sprachforscher Grimm hat nachgewiesen, daß der Name des Hafers sich in fast allen europäischen Sprachen mit dem des Ziegenbockes in Verbindung bringen lässt. Der frühe Ackerbau und Viehzucht sind somit untrennbar mit dem Hafer verbunden. Schnell verstand man auch die Heilkraft dieser wunderbaren Pflanze zu nutzen. Viele der heilenden Eigenschaftes von Hafer gehen auf seinen Gehalt an Beta-Glucanen zurück. Dabei handelt es sich um Ballaststoffe, die besonders in der äußeren Schicht des Mehlkörpers vorkommen und knapp die Hälfte der gesamten Ballaststoffe im Hafer ausmachen. Die chemisch-physikalischen Eigenschaften der Hafer-Beta-Glucane führen zu einer Reihe von physiologischen Wirkungen auf den Verdauungstrakt und den Stoffwechsel. Besonders die cholesterin- und den blutzuckerspiegel-senkende Wirkung wird dabei geschätzt.

Synonyme:
  • Biwen, Habern, Hauwe, Rispenhafer, Saathafer
  • Avena cinerea, A. dispermis, A. fatua, A. flava, A. orientalis
Pflanzenfamilie:
  • Süßgräser (Poaceae)
Anwendungsgebiete: Wirkung:
Avenae stramentum (Haferstroh)
  • Hauterkrankungen, entzündliche und
    seborrhoische [1]
  • Juckreiz [1]
  • Anti-estrogen [4]
  • Beruhigend (sedierend)**
  • Schlaffördernd**
Avenae herba (Haferkraut)
  • Aufbau- und Kräftigungsmittel*
  • Cholesterinspiegel-Senkung*
  • Gedächtnis-Stärkung [2]
  • Nervöse Erschöpfung*
  • Rheuma*
  • Urologische Beschwerden*
  • Beruhigend (sedierend)**
  • FSH-stimulierend [4]
  • LH-stimulierend [4]
  • Schlaffördernd**
Avenae fructus excorticatus (Haferfrüchte ohne Spelzen)
  • Diätätisches Mittel zur Senkung:
    1. des Cholesterinspiegels*
    2. des Blutzuckers*
    3. der Blutfettwerte*
  • Magen-Darm-Beschwerden*
  • Antioxidativ [3]
  • Blutdrucksenkend bei Rauchern [4]
  • Blutzuckersenkend**
  • Harnsäure-Serumspiegel-senkend [4]
  • Morphium-Antagonist [4]
Die im Haferkorn enthaltenen Beta-Glucane bilden im Magen und Dünndarm eine zähflüssige Konsistenz, die eine verlangsamte Resorption der Nährstoffe aus der gelartigen Masse zur Folge hat. Dies führt zu einem weniger starken und zeitverzögerten Anstieg des Blutglucosespiegels.

* Volks- und Erfahrungsheilkunde
** Die Wirkung erschließt sich aus den Inhaltsstoffen der Pflanze.

Inhaltsstoffe:  

Hafer-Stroh & Hafer-Kraut
  • Kohlenhydrate
  • Beta-Glucane (4,5 g pro 100 g Haferflocken)
  • Kestose
  • Neokestose
  • Steroidsaponine (u.a. Avenacoside A und B)
  • Flavonglykoside
  • Mineralstoffe
  • Kieselsäure
Hafer-Samen
  • Kohlenhydrate (u.a. 50 - 60 % Stärke, Haferstärke, lösliche Polysaccharide, wie Beta-Glucane, Arabinoxylane u. Lichenin)
  • Eiweiß (7 - 23 %)
  • Sterole (Beta-Sitosterol)
  • Steroidsaponine (Avenacosid, Avenosid)
  • Vitamin A ca. 0.862 mg/ 100 g (in Haferschleim)
  • Beta-carotene unter 1.0 μg/ 100 g
  • Vitamin B1 ca. 3.89-7.07 mg/ kg
  • Vitamin B6 ca. 56 nmol/ g
  • Vitamin E ca. 4,3 (alpha-T) – 0.5-1.0 (beta-T)

Dosierung:

  • 100 g Droge für ein Vollbad
Gegenanzeigen
  • Gluten-Unverträglichkeit
  • Nebenwirkungen
  • Keine bekannt
  • Wechselwirkungen
  • Keine bekannt
  • Beispiele für Präparate, in denen Hafer vorkommt:

    • Phytotherapie innerlich:
    • Vollmers präparierter grüner Hafertee N: Zur Unterstützung der Ausscheidungsfunktion der Niere
    • Homöopathie innerlich:
    • Seda-Do® Mischung Bei Ein- und Durchschlafstörungen, nervöse Unruhe

    Interessantes rund um den Hafer:

    • Wie viele andere Pflanzen, so wurde auch der Hafer früher gern als Schutz- und Zauberpflanze benutzt und dem entsprechend Planeten, Sternzeichen und Göttern zugeordnet:
    Planet:
    • Venus, Erde
    Element:
    • Erde
    Götter/ Magische Kraft bei alten Kulturen:
    • Hafer war bei vielen alten Kulturen eine für Fruchtbarkeit und Wohlstand stehende Pflanze. Bei den Kelten war der Hafer Epona geweiht, der Göttin der Fruchtbarkeit.

    Beispiele für eigene Zubereitungen:

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    Klassischer Hafer-Tee

    • 1 TL Droge mit 200 ml heißem Wasser übergießen und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen; abgießen; davon 2-3 Tassen täglich trinken

    Wenn der entwässernde Effekt des Tees verstärkt werden soll, können dem Tee weitere Kräuter zugegeben werden, z.B._

    Haferbad gegen Gicht, Rheuma und Hautflechten (nach Kneipp)

    • 100 g zerkleinertes Haferstroh in 2 Litern Wasser 30 Minuten lang kochen; dann absieben und den Absud dem Badewasser zusetzen

    Das Haferbad sollte an 10 Tagen direkt vor dem Schlafen erfolgen. Als Fußbad angewendet kann es gegen chronisch kalte Füße helfen.

    JG Kinderberuhigungstee 

    Zutaten:Zubereitung:
    1. 2 TL der Mischung mit 200 ml heißem Wasser übergießen
    2. 5 Minuten ziehen lassen; abgießen
    Einnahme
    • 1 Tasse vor dem Schlafen trinken
    Florasole

    Bild: © Schlierner – Fotolia.com

    Haferkraut-Tinktur

    Zutaten:Zubereitung:
    • 2 Wochen an einem warmen Ort
      stehen lassen, dann abfiltern
    Einsatz:
    • Durchfälle, nervöse
    • Erschöpfung
    • Nach Infekten
    • Schlaflosigkeit
    • Überarbeitung, geistige
    Einnahme:
    • 3 x tgl. 40 Tropfen in etwas warmem Wasser

    Hafersamen-Tinktur

    Zutaten:Zubereitung:
    1. Haferkörner leicht anstoßen
    2. Mit Alkohol übergießen, so dass
      alle Körner bedeckt sind
    3. Gefäß verschlosseen 2 Wochen
      an einem warmen Ort stehen lassen,
      dann abfiltern
    Einsatz:
    • Entzug von Tabak, Opium oder Morphium
    Einnahme:
    • 5 x tgl. 15 - 20 Tropfen in etwas warmem Wasser

    Hafer in der Küche

    milk pouring into glass

    © Nitr – Fotolia.com

    Hafermilch – Senkt den Cholesterinspiegel

    Aus Hafer lässt sich wunderbar ein Milchersatz herstellen. Dieser kann für Kinder und Erwachsenen immer dann eingesetzt werden, wenn Tiermilch nicht vertragen oder aus ethischen Gründen abgelehnt wird. Für Babys ist Getreidemilch maximal als Zugabe geeignet, aber nicht für den ausschließlichen Gebrauch.

    Im Gegensatz zu anderen Arten von Getreidemilch, wie Reis- oder Dinkelmilch, eignet sich Hafer weniger zum Erhitzen. Es gibt auch diverse Rezepte, bei denen Hafermilch aus gekochtem Hafer hergestellt wird. Die so gewonnene Milch hat aber einen höheren Schleimanteil. Auch die nach dem bei uns vorgestelltem Rezept gewonnene Hafermilch sollte eher kalt oder lauwarm verarbeitet werden, also nicht in Kochgerichten oder zum Backen.

    Zutaten:
    • 2 Tassen Hafer (ganzes Korn)
    • 2 x 2 Tassen Wasser
    • 1 Prise Salz
    • ggf. Honig
    Zubereitung:
    1. Wasser auf etwa 40 - 50 °C erwärmen
    2. Haferkörner über Nacht in der selben Menge heißem Wasser einweichen
    3. Einweichwasser und eingeweichten Hafer morgens in einen Standmixer geben
    4. Warmes Wasser in der selben Menge der Körner mit in den Mixer geben
    5. 2 Minuten auf niedrigster Stufe mixen
    6. Mixgut durch ein Küchentuch seihen, und die Hafermilch fest ausdrücken
    7. Hafermilch in ein Glas füllen und eine Priese Salz zugeben und verrühren
    8. Im Kühlschrank aufbewahren (Vor Gebrauch schütteln!)
    9. Bei Bedarf ggf. mit Honig süßen

    Die Zugabe von Gelbwurz macht Hafermilch bekömmlicher.

     

    [1] Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 15.10.1987., Heftnummer: 193., ATC-Code: D11PG. Monographie BGA/BfArM (Kommission E)
    buecher.heilpflanzen-welt/BGA-Kommission-E-Monographien/avenae-stramentum-haferstroh.htm

    [2] Die Gabe von 1.600 mg Haferkraut-Extrakt beeinflusst Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit bei älteren Erwachsenen. Berry NM, Robinson MJ, Bryan J, Buckley JD, Murphy KJ, Howe PR.: Acute effects of an Avena sativa herb extract on responses to the Stroop Color-Word test.; J Altern Complement Med. 2011 Jul;17(7):635-7. doi: 10.1089/acm.2010.0450. [PubMed]

    [3] Emmons CL, Peterson DM, Paul GL: Antioxidant capacity of oat (Avena sativa L.) extracts. 2. In vitro antioxidant activity and contents of phenolic and tocol antioxidants.; J Agric Food Chem. 1999 Dec;47(12):4894-8. [PubMed]

    [4] European Medicines Agency Evaluation of Medicines for Human Use: Assessment report for Avena sative L. herba and Avena sative L. fructus; European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), 2008
    www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Herbal_-_HMPC_assessment_report/2009/12/WC500017998.pdf

    Recherche-Quellen:

    • Hiller, Karl; Metzig, Matthias F.: Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen, Erster Band, Spektrum Akademischer Verlag; Heidelberg 2003
    • Hänsel, R.; Sticher, O.: Pharmakognosie – Phytopharmazie, 8. Auflage Springer Medizin Verlag Heidelberg 2007

    Internetseiten:

    • www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/avena.html
    • https://de.wikipedia.org/wiki/Saat-Hafer
    • buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/avenae-fructus-haferfruechte.htm
    • buecher.heilpflanzen-welt.de/BGA-Kommission-E-Monographien/avenae-herba-haferkraut.htm
    • www.awl.ch/heilpflanzen/avena_sativa/hafer.htm

    Anja Alijah Flick (Heilpraktikerin)

    Atlaspraxis Flick – Blankeneser Landstr. 19 – 22587 Hamburg – Tel. 040 866488780 

     

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